MedienABC

Januar 24, 2007

Medienpädagogik und Cultural Studies II

Gespeichert unter: Cultural Studies, Medienpädagogik, Populärkultur — sj @ 2:26

Nachdem ich vor allem mit englischsprachiger Literatur zum Thema vertraut bin, versuche ich mich auf die Rezeption der Cultural Studies im deutschsprachigen Raum, besonders in Hinblick auf die Medienpädagogik einzulesen.

Hier eine Buchrezension, die zugleich eine Kurzeinführung gibt. Die Werkzeugkiste der Cultural Studies. Perspektiven, Anschlüsse und Interventionen Ein Auszug:

Etabliert wurden die Cultural Studies 1964 mit der Gründung des Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) durch R. Hoggart an der Universität Brimingham. Ziel der Forschungsrichtung war es, konkrete Fragestellungen theoretisch und zugleich empirisch zu untersuchen. Ganz im Sinne postmoderner Ansätze wurde eine Gleichsetzung von Hochkultur und Kultur zurückgewiesen. Denn: „Culture is ordinary“. Damit wurde das Augenmerk von Anfang an auf kulturelle Praktiken von sozialen Randgruppen und Subkulturen gerichtet. Die Cultural Studies untersuchen z.B. die Kultur der Arbeiterklassen, jugendliche Subkulturen oder populäre Medienprodukte und deren Aneignung durch Minderheiten. Dabei wird von der These ausgegangen, „dass Kultur ein Kampf um Bedeutungen ist, ein nie zum Stillstand kommender Konflikt über Sinn und Wert von kulturellen Traditionen, Praktiken und Erfahrungen“. Hier klingt bereits die politische Ausrichtung der Cultural Studies an: Es geht sowohl darum, kulturelle Aneignungspraktiken von benachteiligten Minderheiten besser zu verstehen, als auch konkret auf eine Verschiebung der Machtverhältnisse von der Peripherie aus hinzuwirken.
Von Anfang an war diese Forschungsrichtung mit Fragen der Methodik beschäftigt. Kulturalistische bzw. ethnografische sowie strukturalistische Ansätze standen einander gegenüber, bis Stuart Hall, der von 1968 bis 1979 das CCCS leitete, versuchte, beide Richtungen zu verbinden. Seither sind die Cultural Studies durch eine „Bricolage“ an Methoden gekennzeichnet, indem „für ein spezifisches Forschungsprojekt [...] aus verschiedenen wissenschaftlichen Feldern Theorien und Methoden nach pragmatischen und strategischen Gesichtspunkten ausgewählt, kombiniert und angewendet“ werden. Cultural Studies sind also ein dezidiert inter- und transdiziplinäres Unternehmen. Literaturtheoretiker werden ebenso rezipiert und fruchtbar gemacht wie Ansätze der Philosophie (Konstruktivismus), der Ethnografie, der Medienwissenschaft und der Sozialwissenschaft.

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