MedienABC

Januar 24, 2007

Medienpädagogik und Cultural Studies III

Gespeichert unter: Cultural Studies, Medienpädagogik — sj @ 9:40

Heinz Moser schreibt in einem Aufsatz, der in der online-Fachzeitschrift MedienPädagogik abrufbar ist, zum Thema Bedürfnisse, soziale Texte und die Cultural Studies

Fazit
Aus dem Gesagten geht hervor, dass es auf der einen Seite für die deutschsprachige Medienpädagogik wichtig wäre, die Ergebnisse der Cultural Studies – 30 Jahre nach Ihren Anfängen in Birmingham intensiver zu rezipieren. Gerade Medienereignisse bieten sich an, als soziale Texte interpretiert zu werden. Der wachsende mediale Einfluss auf soziale Situationen und auf die damit bewusst oder unbewusst verbundenen Symbolisierungen bietet ein zusätzliches Argument für eine Rezeption, welche die Codes, Mythen und Interpretationsangebote des Sozialen hervorhebt. Erfreulich erscheint es deshalb, dass seit dem Ende der Neunzigerjahre eine verstärkte Auseinandersetzung mit den Cultural Studies beobachtet werden kann.

Allerdings hat der Verlauf der Entwicklung der Cultural Studies auch gezeigt, dass man dieser Richtung heute nicht mehr einfach in naiver Begeisterung begegnen kann. Wir haben in diesem Aufsatz drei Problemkreise hervorgehoben, die differenziert zu beurteilen sind:
– Die Pleasures der Rezipienten gegenüber dem Vorwurf der vermeintlich uneigentlichen Bedürfnisse zu rehabilitieren, scheint mir auf der einen Seite eine der wesentlichen Einsichten der Cultural Studies. Dennoch darf dies nicht bedeuten, die Verwirklichung populärkultureller Vorlieben und Vergnügen als solche schon mit oppositionellem Verhalten gegenüber dominierenden Diskursen zu verwechseln. …

– Die Textmetapher scheint besonders geeignet, gesellschaftliche Mythen im Sinne von Barthes zu beschreiben. Aber auch die Formation von Identitäten als medial konstruierte – gleichsam textuelle – Stilelemente ist grundsätzlich ein analytisch fruchtbarer Zugang zur Beschreibung sozialer Realitäten. Dies wird dort allerdings problematisch, wo sich die
Welt in Texte auflöst, die letztlich beliebig interpretiert werden können. Die Welt scheint hier letztlich nur mehr das zu sein, was der Interpret ihr zuschreibt. …. Dagegen wäre festzuhalten, dass die Arbeiten der Cultural Studies gerade dort am stärksten scheinen, wo sie nicht vom Boden der Realität abheben, sondern Rezipientenverhalten und Realitätskonstruktion (etwa in Fanuntersuchungen) auch empirisch erforschen.

– Problematisch für medienpädagogische Konsequenzen kann auch der elaborierte und oft komplexe analytische Zugang zum Sozialen sein, welchen die Cultural Studies praktizieren. Schon die aufklärerischen Konzepte der Siebzigerjahre haben deutlich gemacht, wie schwierig es ist, Medienpädagogik als kognitive Aufklärung zu betreiben. ….

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