MedienABC

März 27, 2007

Did you know? Viral video

Gespeichert unter: Media Education & Media Literacy, Medienpädagogik — sj @ 10:25

Hier in Gross.

Dieses Video bzw. diese Präsentation namens „Did you know?„, welche ich via Weblog von Will Richardson, A-Blogger und Missionar in Sachen Social Software in Education gefunden habe wirft ein paar interessante Fragen auf. Das Video wurde anscheinden bereits über 2 Millionen mal abgerufen, dass heisst es wurde bereits zur Virusepidemie. Eigentlich ist es nicht viel mehr als eine mit Musik unterlegte eine Powerpoint Präsentation, die von einem AHS Lehrer namens Karl Fisch erstellt wurde. Bitte anschauen!

Was ich hier interessant finde ist zweierlei. Erstens das Phänomen des viral video überhaupt. Viral videos sind Kurzfilme, die via Internet durch diverse Webplattformen, Blogs und andere Foren Verbreitung finden. Während Marketingfirmen und auch Musikproduzenten vermehrt versuchen, viral videos für Marketingzwecke einzusetzen, indem sie sich die virtuelle Mundpropaganda zu Nutze machen, werden sie zugleich auch immer mehr ein Phänomen, welches zu Diskussion und Meinungsbildung „von unten“ beiträgt.

Es war vorabsehbar, dass viral videos auch politische Prozesse wie Wahlkämpfe beeinflussen werden, wie die aktuelle Berichterstattung über Hillary Clinton auf YouTube zeigt.

Es ist schwerer vorstellbar, dass die Botschaft, z.B von „Did you know?“ so rasch eine weite Verbreitung finden konnte, und dabei zugleich intensive Diskussion auslösen kann, es sei denn als viral video.

Die Botschaft des Videos selbst ist einfach. Es greift eine Reihe statistischer Daten zu gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen auf, Veränderungen in Bezug auf Information und Bildung, die wohl ein radikales Umdenken unter Erziehern fordern …

Auszug aus den Slides:
30. The top 10 in-demand jobs in 2010 didn’t exist in 2004.
31. We are currently preparing students for jobs that don’t yet exist . . .
32. Using technologies that haven’t been invented . . .
33. In order to solve problems we don’t even know are problems yet.

Karl Fisch, der Autor, bietet auf seinem Blog dazu Hintergrundinformation, zum Beispiel zitiert er die Quellen seiner Angaben in einer Bibliographie. Diese ist auch als Datei und die Präsentation in Power Point ppt zum Runterladen verfügbar, und unter der Creative Commons Lizence offen für Adaption und Weiterentwicklung.

Die Präsentation war urspünglich nur für die Lehrerkonferenz an Karl Fisches High School gedacht. Man halte sich vor Augen, dass es heute – dank Web 2.0 – potentiell auch für einen engagierten AHS-Lehrer möglich ist, Millionen von Menschen zu erreichen, wenn er eine interessante Botschaft hat und und den Nerv der Zeit trifft.

März 25, 2007

Mit Donald Duck fürs Leben lernen

holeskaliertesbild.jpg

Anlässlich der aktuelle Ausstellung Donald Duck … und die Ente ist Mensch geworden. Das zeichnerische und poetische Werk von Carl Barks im Karikaturmuseum Krems, vom 25. März bis 4. November, ein paar weitere Notizen zu meiner persönlichen Medienbiographie. (siehe meinen früheren Post über Medienbiographie als Methode)

Ich habe als Kind viel gelesen, sowohl Bücher als auch Comics, vor allem Donald Duck, Fix & Foxi, Asterix und Superman. Meine Liebe zu Comics nahm meine Mutter eher naserümpfend zur Kenntnis, trotzdem trug ich mein Taschengeld jede Woche in die Comics-Tauschzentrale. Viele Jahre später, nach der Matura, verbrachte ich mehrere Monate in Italien um Italienisch zu lernen, und dort nahm ich diesen Umstand zum Anlass, ohne Gewissensbisse wieder mit dem Lesen von Comics bzw. Fumetti anzufangen, zuerst tonnenweise Topolino (Donald Duck & Co. auf Italienisch), und als ich von diesen dann genug hatte, amüsierte ich mich mit dem Lesen von trashigen Schundheften wie Diabolik. Da ich Anfängerin war, boten die Comics das ideale sprachliche Niveau zum Einstieg, ausserdem lernte ich hier Vokabular, welches Alltagsbezug hatte und sich daher auch als durchaus nützlich erwies. Italienisch lernte ich innerhalb kürzester Zeit und seither bin ich eine Verfechterin von Populärkultur, insbesondere zum Sprachenlernen.

Ein paar Jahre später wiederholte ich die Erfahrung. Ich ging nach New York und nachdem ich meinen anfänglichen Kulturschock überwunden hatte – die Leute hatten permanent den Fernseher laufen, sogar bei Besuch – gewöhnte ich mir den amerikanisch-unverkrampften Umgang mit dem Fernsehen an und konsumierte leidenschaftlich vor allem Wiederholungen alter Fernsehserien und Hollywood-Klassiker. Ich konnte mich mit meinem Schulenglisch zwar relativ gut verständlich machen, aber durch das Fernsehen verbesserte sich mein Hörverständnis, so dass ich bald auch bei flotten Gesprächen unter Einheimischen mithalten konnte.

Später, als ich in England Deutsch am UCL lehrte, begann ich dann bald Videos im Unterricht einzusetzen, mit grossem Erfolg. Dabei sahen wir uns Filme quer durch die Genres an, wobei zum Beispiel eine peinliche bundesdeutsche Fernsehproduktion zu besonders interessanten Diskussionen im Unterricht führte. Das war mein Einstieg in die Medienpädagogik.

Visual Literacy einmal anders

Gespeichert unter: Medienpädagogik, Onlinevideo, Visual Literacy — sj @ 7:27

Der Kurzfilm „Copy goes here“ von Coudal rollt das Thema visual literacy von der anderen Seite auf, indem er die Frage stellt, was wäre, wenn wir zwar visually literate aber sonst Analphabeten wären. Tatsache ist ja, dass wir umgekehrt in den Schulen zwar alphabetisiert werden, aber visuelle Kompetenzen, vor allem als Mittel der Kommunikation, kaum gefördert werden.

Zum Verständnis ist vielleicht anzumerken, dass das englische copy im Zusammenhang mit Werbung, Marketing oder Journalismus einfach „Text“ bedeutet. Ein copywriter ist ein Texter.

März 22, 2007

Informationskompetenz Bart Simpson

Bart Simpson Media & Digital Literacy

Bart Simpson Media & Digital Literacy

 

Auch in Springfields Volkschule wird seit neuestem Medienkompetenz gefordert, sagt Direktor Seymor Skinner.

März 19, 2007

Antwort auf Adorno

Schaut man sich diesen Clip an, fällte es nicht schwer zu verstehen, warum Adorno von manchen quasi als ein Grossvater der Bewahrpädagogik gesehen wird. Die elitäre Haltung Adornos und anderer Vertreter der Frankfurter Schule gegenüber Populärkultur bzw. „Massenkultur“, hier konkret „Unterhaltungsmusik“, und deren nachhaltiger Einfluss auf das (deutschsprachige) Bildungsbürgertum, ist wohl einer der Gründe warum die Medienpädagogik, bzw Bewahrpädagogik mittlerweile in eine veritable Sackgasse geraten ist, oder … ahem, sich den eigenen Ast abgesägt hat. Denn die gesellschaftlichen Veränderungen und die Entwicklungen, vorangetrieben durch die digitalen Medien und das Internet, haben diese Positionen längst überholt.

Und jetzt setzt sich das Volk bzw. „Massenpublikum“ via Web 2.0 zur Wehr.

Man darf sich zurecht fragen, warum stellt jemand ausgerechnet diesen Adorno-Clip unkommentiert ins wild-wachsende YouTube-Netz? Es ist anzunehmen, dass hier jemand eine Diskussion, sei es im Postingforum, oder sogar in Form einer Video-Response provozieren wollte.

In einem anderen Forum, dem Volkslexikon Wikipedia steht unter „Kritik“ an der Frankfurter Schule: Die intellektuelle Perspektive der Frankfurter Schule sei in Wirklichkeit eine romantische, elitäre Kritik der Massenkultur im neomarxistischen Gewand: Was die Theoretiker wirklich ärgere, sei nicht die soziale Unterdrückung, sondern die Tatsache, dass die Massen Ian Fleming und den Beatles gegenüber Samuel Beckett und Anton Webern den Vorzug geben. Aus marxistischer Sicht wird kritisiert, dass die Kritische Theorie selber eine Form des bürgerlichen Idealismus darstelle, die keine inhärente Beziehung zur politischen Praxis habe und von jeder revolutionären Bewegung isoliert sei. Georg Lukács pointierte diese Kritik mit seiner Metapher, die Mitglieder der Frankfurter Schule lebten in einem „Grand Hotel Abgrund“, von dessen Terrasse aus sie bei einem Aperitif das Elend der Welt betrachteten.

Wenn Adorno Joan Baezs Protestsongs als unerträglich schnulzenhaft empfand, was dachte er dann wohl über ihr Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz? Dem kleinen pointierten Foto-Beitrag von Barbara Klemm nach wirkt er eher lustfeindlich, oder hatte er einfach keinen Sinn für Humor?

Eine interessante Anwort auf Adorno findet sich indes auf YouTube (Die Schlümpfe fressen Adorno):

Der Autor adornoschlumpf nimmt sich ein Adorno-Zitat vor und vereinnahmt zudem ein Versatzstück der Populärkultur (über das Adorno wohl auch die Nase gerümpft hätte, gehören doch Zeichentrickfilme für Kinder zu den verachtetsten Fernsehgenres überhaupt) und das sicherlich, ohne sich die „Rechte“ für den Film eingeholt zu haben. Er legt dem Brillen-Schlumpf das Zitat in den Mund, worauf ihm der Ast abgesägt wird. Der Autor kreiert dadurch seinen eigenen zweifach subversiven Text, schafft eine neue Bedeutung, die sowohl die intellektuelle als auch die populäre Position unterwandert. Siehe auch remix culture und remix culture und textual poaching. Der Autor dieses Videos ist laut eigener Angabe 16 Jahre alt und kommt aus Österreich. Wenn das stimmt, stellt sich die Frage: Wo hat dieser junge Mann (diese junge Frau) so zu denken und sich multimodal auszudrücken gelernt? Wahrscheinlich nicht in der Regelschule.

Eine poetische Antwort auf Adorno findet sich indes in diesem Kurzfilm adorno neden delirdi von Mert Bilek, 21, aus der Türkei.

Community of Practice

Gespeichert unter: Community of Practice — sj @ 12:25

Weitere Definitionen von Community of Practice habe ich gefunden bei Ralf Klamma/PROLEARN

Meine Übersetzung:

  • Communities of practice sind Gruppen von Menschen mit einem gemeinsamen Anliegen oder Leidenschaft für eine Tätigkeit, die regelmäßig kommunizieren, um zu lernen, wie man diese besser ausübt. (Wenger 1998)
  • Community of Practice (CoP) ist ein Grundgedanke, welcher bei Informationssystemen weit verbreitete Anwendung fand.
  • Englisch:

  • Communities of practice are groups of people who share a concern or a passion for something they do and who interact regularly to learn how to do it better. (Wenger 1998)
  • A basic concept is community of practice (CoP) that has been widely used as a fundamental for information systems.
  • März 17, 2007

    Jugendliche Medienforscher

    Als Nachtrag zu meinem Beitrag zu Computerspielen als Thema im Unterricht, hier ein aktueller Beitrag über ein Pilotprojekt aus Deutschland über Jugendliche als Medienforscher. In Grossbritannien gehören Medienforschungsprojekte zum Handwerkzeug der Media Studies in Schule und Studium.

    Das Pilotprojekt JAM! Jugendliche als Medienforscher will zum Fragenstellen über die eigene Mediennutzung ermuntern und dazu anregen, selbst entwickelte „Medienforschungsprogramme“ zur Beantwortung dieser Fragen durchzuführen. Jugendliche sind häufig Gegenstand von Mediennutzungsstudien, in denen ihr Medienkonsum beobachtet und analysiert wird. JAM! macht aus den Beobachteten kritische Beobachter und forschende Fragensteller.

    JAM! verbindet Medienforschung und Medienbildung mit der didaktischen Idee des forschenden Lernens. Schülerinnen und Schüler, die ihre eigene Mediennutzung mit einfachen wissenschaftlichen Methoden beobachten, auswerten und darstellen – so die Grundidee des Pilotprojekts -, entwickeln im Prozess zahlreiche grundlegende methodische, fachliche und soziale Kompetenzen, die für das Leben, Lernen und Arbeiten in der heutigen Medien- und Wissensgesellschaft von Bedeutung sind.

    von mekonet und merz

    März 16, 2007

    Film Quiz

    Gespeichert unter: Filmvermittlung — sj @ 12:02

    channel four film quiz
    Ein Film Quiz für Cineasten. Die Fragen sind gar nicht so leicht, obwohl man eigentlich nur Standbilder den richtigen Filme zuordnen muss. Die Filme sind sowohl aus dem Mainstream als auch Filmklassiker. Die besondere Herausforderung: Man kann immer weiter spielen, und dabei Punkte sammeln, wie bei einem Computerspiel, um immer höhere Punktezahlen zu erreichen. Name that Film Quiz

    Medienbiographie als Methode in der Medienbildung

    Die Reflexion über die eigenen Kindheitserfahrungen mit Medien regt zum Nachdenken über die Rolle, die Medien im Leben von Kindern und letztlich auch Erwachsenen spielen, an. Überlegungen zur persönlichen Medienbiographie sind eine gute Übung zum Einstieg in die Medienpädagogik für Studierende.

    Hier ein Auszug aus „Multimedia Childhoods“ von David Buckingham. (meine Übersetzung)

    Medienbiographie

    „Die meisten Leser sind wahrscheinlich mit einer oder anderer Form der Medien aufgewachsen, oder erinnern sich an die Ankunft eines „neuen“ Mediums (wie das Fernsehen oder Video) an einem bestimmten Punkt der persönlichen Biographie.

    Versuchen Sie, sich an Ihre ersten Erinnerungen bezüglich Fernsehen und Kino zu erinnern.

    1. An welche Programme oder Filme erinnern Sie sich? An welche Aspekte erinnern Sie sich speziell? Gab es Lieblingscharaktere und Stars, oder besondere Titellieder, Slogans oder Sprüche? Erinnern Sie sich daran, Dinge gesehen zu haben, die sie wirklich erschreckt, geschockt, oder verstört haben?

    2. Gab es besondere Rituale, die mit dem Fernsehen, oder mit Kinobesuchen in Verbindung standen? Gab es zum Beispiel Lieblingszeiten, oder besondere Personen, die damit verbunden waren? Wurden andere Dinge gleichzeitig gemacht, wie zum Beispiel essen?

    3. Haben Ihre Eltern je versucht, ihren Zugang zu bestimmten Medien einzuschränken oder Sie dazu zu bringen, bestimmte Dinge anzusehen oder zu lesen? Galten diese Regeln für alle Familienmitglieder? Erinnern Sie sich daran, als sie zum ersten mal ein „verbotenes“ Programm oder Film sahen?

    4. Erinnern Sie sich daran, in Folge von Medien, seien es Fernsehen, Kino oder andere Medien, je etwas Bestimmtes gemacht zu haben – zum Beispiel etwas gebastelt oder gekauft zu haben, ein bestimmtes Spiel gespielt, Buch gelesen zu haben, eine Figur nachgemacht, oder sich wie diese gekleidet zu haben?

    5. Letztlich, überlegen Sie, wie sehr Sie als typischer oder repräsentativer Vertreter einer sozialen Gruppe gelten könnten – zum Beispiel in Hinblick auf Geschlecht, soziale Klasse, Ort oder Gemeinschaft, in der Sie leben, als Vertreter ihrer Generation.

    (…)

    Man kann sich dabei ruhig eine etwas sentimentale oder ironische Nostalgie erlauben, zugleich sollte eine solche Medienbiographie auch breitere Themen anreißen. Erfahrungsgemäß zeigen sich meist die folgenden drei Punkte:

    1. Unserer Medienerfahrungen sind oft untrennbar mit Alltagserfahrungen verbunden – die Rituale und Beziehungen, die Mediennutzung umgeben und definieren. Wir erinnern uns nicht nur an Fernsehprogramme, zum Beispiel, wir erinnern uns auch daran, mit wem wir diese gesehen haben, wann und wo wir sie gesehen haben, und die Bedeutung, die dies für uns hatte.

    2. Die Medien tragen zur Definition dessen bei, was als kindisch oder kindlich oder erwachsen gilt. Und das wird verstärkt durch die Art und Weise, in der Eltern die Mediennutzung ihrer Kinder bestimmen. Die meisten von uns können sich wahrscheinlich daran erinnern, dass man sich als Kind danach sehnte, bestimmte Programme zu sehen, auch wenn man sie noch nicht wirklich verstand oder „verbotene“ Filme sehen zu wollen, die einen Zugang zur Erwachsenenwelt versprachen.

    3. Mediennutzung ist untrennbar mit Identitätsbildung verknüpft. Auch wenn nur temporär oder oberflächlich, verschaffen die Medien uns Zugang zu neuen Identitäten, oder Fantasieidentitäten. Wir nutzen sie als „symbolische Ressourcen“ durch welche, oder gegen welche, wir definieren, wer wir sind.

    Sie könnten darüber nachdenken, ob diese Verallgemeinerungen auch auf Ihre Kindheitserinnerungen in Bezug auf Medien zutreffen. Und in welchem Ausmaß treffen diese nicht nur auf Kinder, sondern auch auf Erwachsene und deren Beziehung zu Medien zu?“

    David Buckingham (2003) Multimedia Childhoods. In: Children´s Cultural Worlds herausgegeben von M.J. Kehily und J. Swann. Milton Keynes: Open University Press

    März 15, 2007

    Medienkompetenz beim Kleinkind

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