Rede von Sir Ken Robinson auf TED talks. Auf den Punkt gebracht: er sagt, dass wir in den Schulen den Kindern die Kreativität aberziehen; dass Kreativität den gleichen Status wie Lesen/Schreiben/Rechnen habe sollte. Er argumentiert für eine Ökologie des Menschen, die nicht nur das Gehirn (bzw. nur eine Gehirnhälfte) fördert.
Vielleicht nicht sehr neu, aber er sagt es auf äußerst amüsante Weise.
Vor einiger Zeit habe ich über ein Projekt von MIT Studenten berichtet, die ein Konzept für ein Videospiel entwerfen mussten, welches auch einem Text der Populärkultur basiert. Das preisgekönte Projekt waren die Beatles auf Wii. Die entworfene Verpackung zeigt das berühmte und oft imitierte Album Cover mit den Beatles auf der Abbey Road. Hier nun ein weiterer remix – Simpsons auf der Abbey Road.
Warum ich das bringe? Einerseits, weil mich alles interessiert, was remix-culture oder mashup betrifft. Ausserdem hege ich Sympathien sowohl für die Simpsons als auch Beatles. Beatles Fan war ich vor allem als Kind und Jugendliche. Simpsons-Fan wurde ich nach anfänglichem Widerstand durch die Teilhabe an den Fernsehvorlieben meines damals kleinen Sohnes.
E gibt noch einige andere Gründe. Einer davon ist, dass Bart Simpson mir laut Blogstatistik immer wieder neue Leser auf MedienABC bringt. Indem ich also noch einmal Simpsons zeige, biedere ich mich hier sozusagen dem breiten Publikum an. Oder nicht?
Dieser Weblog ist ein autoethnografisches Experiment, über dessen Verlauf ich sicher auch noch mehr berichten werde. Eines ist sicher: Es mag dem flüchtigen Besucher so scheinen, als ob der Weblog unzusammenhängende Versatzstücke bietet; dem ist aber nicht so. Der Weblog veranlasst dazu, Narrative zu konstruieren, indem man bestimmte einmal angesprochene Themen oder Motive immer wieder aufgreift und durch Hyperlinks auch aufeinander bezieht. Und man versucht ein Bild seiner Leserschaft zu entwickeln, und auch für diese zu schreiben, auch für die zufälligen Besucher, die Bart oder Homer suchen. Willkommen auf meinem Blog!
Das Video Dove – Evolution ist vielen von Euch vielleicht schon bekannt, welches als Teil einer viral markting- Kampagne großen Zuspruch gefunden hat. Dove setzt in seinen Werbestrategien im Gegensatz zu anderen Kosmetikfirmen bewusst nicht auf Supermodels oder berühmte Schauspielerinnen, sondern auf normale Mädchen und Frauen. Oglvy and Mather produzierten für Dove Unilever dieses Video, welches zeigt, wie Supermodels via Bildbearbeitung für Werbekampagnen verschönert werden, es wurde auf YouTube geposted. In hoher Auflösung/mit größerem Bild hier zu sehen. Über das Making Of Evolution kann man hier lesen. Oglivy Toronto sagt, dass sie sich durch die Verbreitung auf YouTube 150 Millionen Dollar an Werbeausgaben gespart haben.
Dieses Video wäre sicher ein guter Einstieg für den Themenbereich, der in den britischen Media Studies unter „Representation“ zusammengefasst wird. Im deutschsprachigen Diskurs wird hier meist von Manipulation gesprochen, was ich nicht so geeignet finde, da hier ein negatives Werturteil mitschwingt.
Bei „Representation“ geht es um die Tatsache, dass jeder (Medien)text ein künstliches und bewusst gestaltetes Konstrukt ist, welches eine Interpretation und Abstraktion der Realität darstellt. Das gilt natürlich für alles und jedes, ob das jetzt ein Schulaufsatz, eine Weihnachtskarte, ein Zeitungsartikel oder ein Hollywoodfilm ist und nicht nur für Werbefilme oder Nazipropaganda wie mit dem Gebrauch des Begriffs „Manipulation“ oft nahegelegt wird. So geht es darum, als Teil der Medienbildung Texte zu dekonstruieren, um zu sehen, welche Ideologien sich dahinter verbergen und zu erforschen, wie zum Beispiel Stereotypen in Bezug auf Geschlecht, Rasse oder bestimmte Gesellschaftschichten reproduziert werden.
Jeder Volksschüler versteht heute einen Werbefilm als solch ein Konstrukt. Schwieriger wird es zu erkennen, dass auch die Texte, die vermeindlicherweise ganz „natürlich“ oder „echt“ scheinen wie Schulbücher oder Fernsehnachrichten Bedeutungen konstruieren – gerade solche Texte gehören aber auch hinterfragt.
Dieses Dove Video bietet auf jeden Fall einen guten Einstieg vor allem natürlich in Fragen der Gender Representation und passt auch zu den Themen, die in diesem Zusammenhang oft im schulischen Kontext mit Jugendlichen erörtert werden, wie Schönheitsbilder und Essstörungen.
Nun könnte man dem aber noch einiges drauf setzen, wie eine Kampagne zeigt, welche vom Schwedischen Gesundheits- und Sozialminsterium in Auftrag gegeben wurde. Die Website Girl Power zeigt ähnlich wie die Dove Werbung in einer interaktiven Flash Seite wie das Bild eines Mädchens zum Cover Girl verändert wird, die Webseite regt aber bewusst auch zu etlichen anderen Aktivitäten an …
Dove Daughters ist eine Minidoku über junge Mädchen, entstanden parallel zu Dove-Evolution, welches übrigens, wie könnte es auch anders sein, auch schon x-mal parodiert wurde – zu sehen auf YouTube.
Auf einem anderen interessanten Konzept als das des Medienprojekt Wuppertal basiert der Cineclub in South London.
In Wuppertal steht die ausserschulische Projektarbeit mit Jugendlichen im Vordergrund, wobei die Produkte, also die produzierten Filme unter anderem durch die Beschäftigung mit pädagogisch relevanten Themen wie Politische Bildung, Gewaltprävention, Sexualpädagogik, Suchtprävention, geschlechtsspezifische Arbeit vielleicht auch an der einen oder andern Schule gezeigt werden.
Im Cineclub wird eine direkte Zusammenarbeit mit Schulen angestrebt. Innerhalb eines Semesters bzw Schuljahres werden von professionellen Filmemachern zwei Projekte gemeinsam mit SchülerInnen und LehrerInnen durchgeführt, mit der Absicht die LehrerInnen so auszubilden, dass sie diese Arbeit dann ohne Zusatzhilfe weitermachen können. (Der Cineclub bietet für Interessierte auch weiterführende „Masterclasses“ und Summer Schools an). Die anschliessende Cineclub- Mitgliedschaft unterstützt die Entstehung eines peer-to-peer Netzwerkes.
Auch hier ein wirklich gut durchdachtes Konzept. Vor allem gefällt mir das Cineclub Manifesto: zu dem sich die Teilnehmer verpflichten. Angelehnt an das Dogme95 Manifesto (Lars va Trier ist übrigens auch Schutzpatron des Cineclub) beruht es auf dem Gedanken, dass unter Beschränkungen, die durchaus auch selbst auferlegt sein können, viel kreative Energie freigesetzt werden kann. Ein Credo, an dass ich selbst glaube. Ich habe selbst auch schon in Videoproduktionsklassen das Dogme- Manifest thematisiert.
Das Cineclub Manifesto ist auch clever, weil es Probleme der pädagogischen Praxis anspricht: wie mache ich es, dass wirklich alle im Team mitmachen und sich einbringen und sich nicht ein paar schüchterne oder träge SchülerInnen von den aktiven oder dominanteren einfach nur mittragen lassen. Auch Punkt 5 ist interessant, setzt er doch voraus, dass sich die SchülerInnen auf bestimmte Weise mit der Ästhetik und Geschichte des Films, innerhalb derer sie ja auch operieren, bewusst auseinandersetzen.
Das Medienprojekt Wuppertal, welches ich kürzlich online netdeckt habe, scheint eine besonders gelungene Initiative, bei der ein sinnvolles medienpädagogisches Konzept zugleich auch mit einer durchdachten Vertriebs- und Öffentlichkeitsstrategie verbunden wurde und damit auch bei den Produktionen das Publikum mitgedacht und hohe Qualität angestrebt wird. Das Motto ist: Das bestmögliche Video für das größtmögliche Publikum. Die Website ist auch sehr gut gemacht und bietet umfassende Information.
Video wird als kommunikative, neue Kulturtechnik gesehen, die Lust am Film und am künstlerischen wie inhaltlichen Ausdruck stehen bei den TeilnehmerInnen wie den unterstützenden MitarbeiterInnen im Vordergrund. Das Kino als Präsentationsort ihrer Filme wird so die Bühne, wo Jugendliche ihre sinnhaften oder sinnlosen Geschichten erzählen können; von dem, was in ihren Herzen und Köpfen vorgeht, und wo sie sich selbst sexy, intelligent, witzig oder politisch darstellen können. Wo zwischen ihren Ängsten und Träumen – sich selbst inszenierend oder sich und ihr Umfeld dokumentierend – Realitäten und Illusionen verschwimmen.
Das „Medienprojekt Wuppertal“ ist als 2001 aus der Stadt Wuppertal outgesourcte medienpädagogische Einrichtung mit ca. 100 Filmen pro Jahr die größte und ambitionierteste Videoproduktion für Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland. Diese werden hier nach dem Prinzip „learning by doing“ produktorientiert bei ihren Videoproduktionen unterstützt, ihre Kurzfilme im Kino, in Schulen und Jugendeinrichtungen präsentiert und als Bildungsmittel in einer eigenen Edition und diversen Fremdverlagen bundesweit vertrieben. Durch diesen konkurrenzlosen Vertrieb wird die für die Jugendlichen kostenlose Produktion finanziert.
Die Kurzfilme werden über DVD vertrieben, aber auch im Kino gezeigt. Ab Herbst sollen die Videos auch im Wuppertaler CINEMAXX-Kino auf grosser Leinwand vor einem größeren Publikum gezeigt werden. Ein aufwändig produzierter Science Fiction Trailer soll in den Werbeblöcken des Kinos vor dem Hauptprogramm laufen und soll so innerhalb eines Jahres 100.000 junge Leute erreichen, genau die, die ins Kino gehen und so auch zum Selbermachen inspiriert werden können.
Die ORF-Reform hats gebracht. Ähem, ich sehe zwar nicht viel fern, aber zum Auftakt der neuen sonntäglichen Dokuschiene gab es gleich eine hervorragende TV-Dokumentation: „Schlurf – Im Swing gegen den Gleichschritt“ von Monica Ladurner & Wolfgang Beyer.
Einige Aussschnitte aus diversen Rezensionen:
Der Film beleuchtet eine bis heute eher wenig beachtete Thematik in der Erforschung des Dritten Reiches, nämlich die der „musikalischen Subkultur“.
Bekannt ist, dass Jazz und Swing, von den Nationalsozialisten auch als „Neger-„ und „Judenmusik“ bezeichnet, damals, wie fast alles nicht genehme, zu den „entarteten“ Kunstformen zählte. Die daraus abgeleiteten Tanzformen ebenfalls. Zu Beginn eher verpönt, wurden die Anhänger des Jazz („Swing-Jugend“) mit der Zeit von der Nazi-Diktatur im zunehmenden Maße kriminalisiert, und schließlich auch verfolgt. Das Hören von Jazz endete nicht selten in „Arbeitserziehungslagern“, in Jugend-KZs oder in der Todeszelle.
Schlurf erzählt die Geschichte einer Jugendkultur, welche gegen ein politisches System zu rebellieren versuchte, das keine Individualität und Freiheit zulassen wollte. Der Film handelt von Menschen, die sich der Nazi-Diktatur nicht beugen wollten, den Dienst in der HJ verweigerten, „Feindsender“ hörten und auch ihrer Begeisterung für Jazz-Musik und Swing-Tanz trotz immer härter werdender Repressionen nicht abschworen. von ManyMusics
Wir wissen, wie die ‘Schlurfs’ und ‘Swings’ in Österreich und Deutschland, die ‘Zazous’ in Frankreich und die ‘Potapki’ in der Tschechoslowakei reagiert haben“, so die Filmemacher weiter. „Mit Verweigerung und zivilem Ungehorsam, manche auch mit aktivem Widerstand, den einige von ihnen mit dem Leben bezahlen mussten. Dem allgemeinen ‘Sieg Heil!’-Gebrüll setzten sie ihr trotziges ‘Swing Heil!’ entgegen und versuchten so, ihre Autonomie zu bewahren, ihre Individualität und den Glauben an eine Welt jenseits des Gleichschritts.“
In den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entschieden sich Tausende Jugendliche für eine Lebenskultur, die im diametralen Gegensatz zu den Idealen des nationalsozialistischen Regimes stand. Die Dokumentation erteilt jenen das Wort, die – obgleich als Jugendbewegung von den Nazis verfolgt – später niemals als NS-Opfer anerkannt wurden, für deren Geschichte sich bisher nur ein kleiner Kreis von Fachleuten interessiert hat und deren Name auch heute noch – Jahrzehnte nach Ende der Naziherrschaft – ein Schimpfwort geblieben ist.
Historischer Krimi
Der Film ist keine „Geschichts-Dokumentation“ im klassischen Sinn, eher ein „historischer Krimi“, in dem die Frage nach geschichtlichen Kontinuitäten gestellt wird, nach dem Fortwirken von „längst Vergangenem“ in der Gegenwart. Es geht um Fragen, die damals so aktuell waren wie heute: Was passiert, wenn man jungen Menschen ihre Musik nimmt, wenn man ihre Tänze verbietet, ihren Lebensstil kriminalisiert, ihre Kultur als staatsfeindlich brandmarkt? vom ORF
Die Kids hatten auch ihre eigene Mode – im Gegensatz zum HJ Bürstenschnitt trugen die Burschen teilweise die Haare bis zum Kragen, die Sakkos und Hosen waren überweit.