Prof. Dr. H. Niesyto von der PH Ludwigsburg spricht sich in dem Beitrag Wege zur Förderung der Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen für nachhaltige kulturelle Medienbildung aus. (Konkret dreht es sich um Massnahmen für Baden-Württemberg, seine Argumente gelten aber auch für Österreich.)
„Es geht darum, Medienbildung für alle Kinder und Jugendliche zu ermöglichen und gleichzeitig zielgruppenbezogen Schwerpunkte zu setzen.“
Niesyto fordert die Medienbildung als verbindlichen Bestandteil in der Ausbildung von Erzieher/innen, Lehrer/innen und Sozialpädagog/innen, damit Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Milieus in formellen und informellen Bildungskontexten Chancen erhalten, um vorhandene Medienkompetenzen zu erweitern.
Er argumentiert:
„Woran es vor allem fehlt, ist die verbindliche Verankerung medienpädagogischer Inhalte in der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften sowie schulnahe Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.“
„Wir brauchen eine kritische Masse von sehr gut ausgebildeten Medienpädagogen, die als Lehrer, Kultur- und Sozialpädagogen in verschiedenen pädagogischen Handlungsfeldern arbeiten. Gleichzeitig brauchen wir in allen pädagogischen Berufen eine medienpädagogische Grundbildung – von der frühen Bildung bis zur Erwachsenen- und Seniorenbildung, um ein Grundverständnis für Fragen der Mediensozialisation und der Möglichkeiten von Medienbildung zu schaffen.“
Genau diese Verbindlichkeit fehlt auch in Österreich – trotz Grundsatzerlass – da Medienbildung kein fixer Bestandteil der Ausbildung von LehrerInnen und Sozialpädagogen ist. Durch die Neuorganisation der Pädaks in Pädagogische Hochschulen, könnten sich hier auch neue Möglichkeiten für die Medienbildung abzeichnen. Das hängt jedoch von ministeriellen Vorgaben ab.
Im folgenden Textausschnitt bezieht er sich konkret auf Kinder aus Hauptschul- und Migrationsmilieus – seine Argumente sind aber allgemein gütlig.
„Die Herausforderung besteht darin, konsequent an den vorhandenen Erfahrungen, Themen und Ausdrucksbedürfnissen von Kindern und Jugendlichen (…) anzusetzen. Die Aufgaben sind so zu wählen, dass sie weder unter- noch überfordern.“
„Auch wenn man subjektorientiert und lebensweltbezogen an vorhandenen medialen Wissensbeständen anknüpft, kann Medienkompetenz nicht in wenigen Projekten geschaffen werden. Ähnlich wie der Erwerb der Schriftsprache bedarf es sehr langfristig angelegter Bemühungen – von Formen einer „medialen Früherziehung“ bis hin zum Erwerb differenzierter medialer Kenntnisse und Gestaltungsformen. Mediale Kompetenzbildung braucht Zeit, Raum für Ausprobieren und Experimentieren und lässt sich nicht im Rahmen eines „Großprojekts“ realisieren. „
Das bedeutet, von der Vorstellung wegzukommen, dass sich Medienbildung häppchenweise erledigen läßt – ohne eine klare Konzeption davon zu haben, worauf sie abzielt, oder durch ein Medienprojekt (oft gegen Schulschluss, da es sowieso für die Noten „nicht mehr zählt“) das aufholen zu können, was im Laufe des Schuljahres verabsäumt wurde.







