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Im merz vom Juni 2007 findet sich ein Beitrag von Nicola Marsden und Inog Teegen unter dem Titel „Effekte von medienpädagogischen Zeitungsprojekten.“ Interessant, weil diese Studie die längerfristige Wirkung eines medienpädagogischen Projektes mit einer Kontrollgruppe an einer Volksschule untersucht. In Kurzfassung:
„Effekte von medienpädagogischen Zeitungsprojekten für Grundschulkinder sollen Lesemotivation und Lesekompetenz der Kinder steigern. In einer repräsentativen Befragung wurden rund 1400 Kinder – entweder als Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Zeitungsprojekts oder als Kontrollgruppe – im Laufe des vierten Schuljahres dreimal befragt: Zunächst vor Beginn des Projekts „Zeitung in der Grundschule“, dann direkt im Anschluss und schließlich sieben Monate danach.“
Das Ergebnis: kurzfristig hatte das Zeitungsprojekt auf die Kinder eindeutig Wirkung gezeigt, zum Beispiel in Hinsicht auf die allgemeine Lesemotivation. Sieben Monate war die Lesehäufigkeit und das Interesse an Dingen, die in Tageszeitungen stehen, zwar gestiegen, genauso aber in der Kontrollgruppe. Fazit: „Unserer Ergebnisse deuten darauf hin, dass Lesemotivation und Zeitungsaffinität durch das Projekt nicht nachhaltig geändert wurden.“ und „dass die Zeitungsprojekte eine Entwicklung beschleunigen, die die Kinder im Laufe des vierten Schuljahres ohnehin vollziehen.“ Das Projekt war daraufhin angelegt, längerfristig Verhaltensänderungen, eine veränderte Einstellung zum Lesen und zur Tageszeitung zu erzielen. Das erfordert aber einen längeren Lernprozess, nicht nur ein einmaliges Projekt. Die logische Forderung ist daher durch Wiederholung, Streuung oder andere weiterführende Massnahmen mittel- und langfristig positive Veränderungen zu erreichen.
Der Wunsch, Veränderungen im Medienverhalten der SchülerInnen herbeizuführen, ist allerdings ein Ziel, das an ältere bewahrpädagogische Bestrebungen erinnert – ein Ziel, das in der Realität möglicherweise nicht erreichbar, vielleicht aber auch gar nicht erstrebenswert ist.
Der britische Vorreiter der Medienpädagogik David Buckingham jedenfalls würde das verneinen; er sagt: „Medienbildung zielt nicht darauf ab, junge Menschen vor dem Einfluss der Medien zu schützen, und sie zu besseren Dingen hinzuführen“ – zu den besseren Dingen zählt in diesem Fall das Zeitunglesen – „sondern ihnen zu ermöglichen, fundierte Entscheidungen selbstständig treffen zu können.“
Die Mediennutzung von jungen Menschen durch medienpädagogische Massnahmen weg von „schlechten“ (TV-Serien, Blockbuster-Filme und Videospiele) hin zu „guten“ Medien (Tageszeitungen, Dokumentar- und Autorenfilme und Lernspiele) beeinflussen zu wollen, ist aus vielen Gründen problematisch; zum einen, weil dabei der Kontext der Mediennutzung als Alltagspraxis, die sozialen und kommunikativen Aufgaben von Medien im Leben von Kindern und Jugendlichen nicht berücksichtigt werden, aber auch, weil hier bildungsbürgerliche Werte des weissen Mittelstandes allen SchülerInnen, egal welcher Herkunft, aufoktruiert werden: die Medienpräferenzen und der Geschmack des Lehrers oder Lehrerin zählen mehr als der Nutzen, das Vergnügen, das Verständnis, das die Schüler aus ihrem Umgang mit Medien ziehen.
Das heisst natürlich nicht, dass Medienerziehung und -bildung keinen Platz in der Schule hat; im Gegenteil, ermöglicht diese doch SchülerInnen Zugang zu kulturellem Kapital, welcher ihnen durch Herkunft und Familie nicht unbedingt möglich ist. Marsden / Teegen stellten bei der Untersuchung sehr wohl einen kognitiven Lernerfolg im Vergleich mit der Kontrollgruppe fest. Das sollte für die Begründung von Medienbildung in der Schule genügen.
Die Vermittlung eines differenzierten Verständnises von Medien, deren Bedeutung, Wirkungsweisen und Funktionen, die Fähigkeit zur verfeinerten ästethischen Wahrnehmung, die Fähigkeit zur Analyse und Deutung und die kritische Reflexion über Medien und eigene Medienproduktionsprozesse – all dies sind genug Aufgaben und Anforderungen an die Medienbildung in der Schule, ohne Verhaltensänderungen zu erwarten oder auf diese abzuzielen.









