MedienABC

September 29, 2007

Verhaltensänderung durch Medienpädagogik?

190094004_81ed88bd01.jpg Foto von Bayroad auf Flickr

Im merz vom Juni 2007 findet sich ein Beitrag von Nicola Marsden und Inog Teegen unter dem Titel „Effekte von medienpädagogischen Zeitungsprojekten.“ Interessant, weil diese Studie die längerfristige Wirkung eines medienpädagogischen Projektes mit einer Kontrollgruppe an einer Volksschule untersucht. In Kurzfassung:

„Effekte von medienpädagogischen Zeitungsprojekten für Grundschulkinder sollen Lesemotivation und Lesekompetenz der Kinder steigern. In einer repräsentativen Befragung wurden rund 1400 Kinder – entweder als Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Zeitungsprojekts oder als Kontrollgruppe – im Laufe des vierten Schuljahres dreimal befragt: Zunächst vor Beginn des Projekts „Zeitung in der Grundschule“, dann direkt im Anschluss und schließlich sieben Monate danach.“

Das Ergebnis: kurzfristig hatte das Zeitungsprojekt auf die Kinder eindeutig Wirkung gezeigt, zum Beispiel in Hinsicht auf die allgemeine Lesemotivation. Sieben Monate war die Lesehäufigkeit und das Interesse an Dingen, die in Tageszeitungen stehen, zwar gestiegen, genauso aber in der Kontrollgruppe. Fazit: „Unserer Ergebnisse deuten darauf hin, dass Lesemotivation und Zeitungsaffinität durch das Projekt nicht nachhaltig geändert wurden.“ und „dass die Zeitungsprojekte eine Entwicklung beschleunigen, die die Kinder im Laufe des vierten Schuljahres ohnehin vollziehen.“ Das Projekt war daraufhin angelegt, längerfristig Verhaltensänderungen, eine veränderte Einstellung zum Lesen und zur Tageszeitung zu erzielen. Das erfordert aber einen längeren Lernprozess, nicht nur ein einmaliges Projekt. Die logische Forderung ist daher durch Wiederholung, Streuung oder andere weiterführende Massnahmen mittel- und langfristig positive Veränderungen zu erreichen.

Der Wunsch, Veränderungen im Medienverhalten der SchülerInnen herbeizuführen, ist allerdings ein Ziel, das an ältere bewahrpädagogische Bestrebungen erinnert – ein Ziel, das in der Realität möglicherweise nicht erreichbar, vielleicht aber auch gar nicht erstrebenswert ist.

Der britische Vorreiter der Medienpädagogik David Buckingham jedenfalls würde das verneinen; er sagt: „Medienbildung zielt nicht darauf ab, junge Menschen vor dem Einfluss der Medien zu schützen, und sie zu besseren Dingen hinzuführen“ – zu den besseren Dingen zählt in diesem Fall das Zeitunglesen – „sondern ihnen zu ermöglichen, fundierte Entscheidungen selbstständig treffen zu können.“

Die Mediennutzung von jungen Menschen durch medienpädagogische Massnahmen weg von „schlechten“ (TV-Serien, Blockbuster-Filme und Videospiele) hin zu „guten“ Medien (Tageszeitungen, Dokumentar- und Autorenfilme und Lernspiele) beeinflussen zu wollen, ist aus vielen Gründen problematisch; zum einen, weil dabei der Kontext der Mediennutzung als Alltagspraxis, die sozialen und kommunikativen Aufgaben von Medien im Leben von Kindern und Jugendlichen nicht berücksichtigt werden, aber auch, weil hier bildungsbürgerliche Werte des weissen Mittelstandes allen SchülerInnen, egal welcher Herkunft, aufoktruiert werden: die Medienpräferenzen und der Geschmack des Lehrers oder Lehrerin zählen mehr als der Nutzen, das Vergnügen, das Verständnis, das die Schüler aus ihrem Umgang mit Medien ziehen.

Das heisst natürlich nicht, dass Medienerziehung und -bildung keinen Platz in der Schule hat; im Gegenteil, ermöglicht diese doch SchülerInnen Zugang zu kulturellem Kapital, welcher ihnen durch Herkunft und Familie nicht unbedingt möglich ist. Marsden / Teegen stellten bei der Untersuchung sehr wohl einen kognitiven Lernerfolg im Vergleich mit der Kontrollgruppe fest. Das sollte für die Begründung von Medienbildung in der Schule genügen.

Die Vermittlung eines differenzierten Verständnises von Medien, deren Bedeutung, Wirkungsweisen und Funktionen, die Fähigkeit zur verfeinerten ästethischen Wahrnehmung, die Fähigkeit zur Analyse und Deutung und die kritische Reflexion über Medien und eigene Medienproduktionsprozesse – all dies sind genug Aufgaben und Anforderungen an die Medienbildung in der Schule, ohne Verhaltensänderungen zu erwarten oder auf diese abzuzielen.

Superheldin

Gespeichert unter: Internet, Kurioses, Populärkultur — Sigrid @ 1:44
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Angeregt durch Angela Thomas und getrieben von einer spielerischen Leidenschaft für Superhelden wurde ich dank dieser Website „Be a Superhero“ in eine Superheldin transformiert.

TeacherTube – Copperella – Digitale Geschichten

Gespeichert unter: Internet, Onlinevideo — sj @ 12:07
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TeacherTube ist ähnlich wie YouTube eine Plattform, auf der Videos z.B. zu Lerninhalten veröffentlicht werden können. Oder auch die Arbeiten von Kindern. Hier zum Beispiel die digitale Geschichte der Erstklässlerin Ariana.

September 27, 2007

„Schule im Kino – Kino als Schule“

Gespeichert unter: Filmvermittlung — Sigrid @ 5:58

Das Wiener Filmmuseum lädt wieder zur Filmvermittlung-Veranstaltungsreihe „Schule im Kino – Kino als Schule“ zwischen November 2007 und Jänner 2008 für LehrerInnen und Schulklassen. Neben den bereits bekannten Veranstaltungen „Das Abenteuer Film“, „Propaganda und Gegenpropaganda“, „Film und Fiktion“, „Film und Wirklichkeit“ und „Film und Kunst“ ist erstmals auch eine Film-Lectures zum Thema Stummfilm/Filmmusik: „From Silence to Sound“ im Programm.

Die Veranstaltungen finden bei freiem Eintritt statt!
Informationen unter: Telefon: +43/1/533 70 54
E-Mail: office(at)filmmuseum(dot)at
schriftliche Anmeldung unter: Fax: +43/1/533 70 56-25 oder per Post

Mehr Info hier: Filmmuseum Filmvermittlung 

September 20, 2007

Game City

Pink DS ursprünglich hochgeladen von Vineus

Anläßlich des Game City Events in Wiener Rathaus am kommenden Wochenende und meines Beitrages zur Fachtagung „Future and Reality of Comuter Games. Computerspiele in Forschung und Praxis“ veranstaltet von der BuPP gibt es jetzt Anregungen und Information zu Medienbildung im Unterricht zum Thema Computerspiele auf der MedienABC.at Website.

Die weite Verbreitung von Computerspielen in der Alltagskultur von Kindern wie Erwachsenen, das rege Interesse der Kinder und Jugendlichen an und ihr Vorwissen über die Spielkulturen rechtfertigt, diese zum Gegenstand von Medienbildung im Unterricht zu machen. Die Grundkonzepte dienen als theoretischer Bezugsrahmen und Basis für eine analytisch-kritische und kreativ-praktische Auseinandersetzung mit Computer- und Videospielen als Kulturgut, mit dem Spiel als soziokulturelle Praxis. Zudem gibt es methodische Anregungen für den Einsatz von Medien im Unterricht.

September 15, 2007

Lehrer spielen Computerspiele

Gespeichert unter: Computerspiele, Lehrerausbildung, Videospiele — Sigrid @ 6:04

Die BBC berichtete, allerdings schon 2006: Laut eines Studie (1000 LehrerInnen in England und Wales) unter Mitarbeit von Angela MacFarlane spielen ein Viertel aller britischen LehrerInnen Computerspiele in ihrer Freizeit und ein Drittel setzt Computerspiele im Klassenzimmer ein. Der Großteil ist der Ansicht, dass SchülerInnen durch Computerspiele lernen.

Obwohl zwei Drittel der LehrerInnen sich darüber Sorgen machten, dass die Spiele auch anti-soziales Verhalten verursachen könnten, waren 91% der Ansicht, dass sie motorische und kognitive Fertigkeiten fördern; 60% glaubten, dass sie das Denken und bestimmte Kenntnisse fördern. Leider konnte ich die Studie selbst noch nicht finden.

Ich fände es eher überraschend, wenn österreichische LehrerInnen auch in so einem hohen Maße selbst Computerspiele spielen. Zumindest laut der aktuellen BIMEZ Studie aus OÖ benutzen 0% (!) aller Pädagoginnen Computer zu Computerspielen. (Nach Konsolenspielen wurde nicht gefragt). Es ist anzunehmen, dass die PädagogInnen Computerspielen negativ gegenüberstehen, oder haben sie nur Scheu zuzugeben, dass sie selbst Computerspiele spielen?

Das Bild zeigt übrigens Erfinder Ralph Baer, der die erste Videospielkonsole entworfen hat, und 1967 zum ersten mal ein Spiel für zwei Spieler gespielt hat. „Ich habe verloren“ sagte er laut Wired. Photo: Courtesy of Ralph Baer

Die Macht des Lehrers

Gespeichert unter: Lehrerausbildung, Onlinevideo, Satire & Humor — Sigrid @ 4:46
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In dieser netten kurzen Ansprache spricht Jason Ohler über die Macht von Lehrern – Menschenleben zu verändern. Nach einem harten Tag, wenn die Motivation verloren gegangen ist, sollte man sich als Pädagoge oder Pädagogin diese 5 Minuten anschauen.

Ein Laptop für jedes Volksschulkind


another olpc photo ursprünglich hochgeladen von tristyn

Die „One Laptop Per Child“-Initiative soll demnach auch an Österreichs Schulen mit rund 100 Kinder in vier Volksschulklassen ausprobiert werden. Das erklärte Aaron Kaplan von OLPC Austria dem Standard heute. Man wolle „Neue Arten des Lernens finden“.OLPC Austria veranstaltet auch einen weltweiten Wettbewerb zur Erstellung von Lernsoftware, die – so wie ich das verstehe – als Open-Source Software allen OLPC zu Verfügung stehen soll.

Vorrangig sei jetzt die Suche nach Schulklassen, die sich an dem Pilotprojekt beteiligen wollen, idealerweise mit Lehrern, „die eine Brücke zwischen der Informatik und dem pädagogischen Konzept schlagen können“ (Kaplan). (Helumt Spudich, Der Standard, Printausgabe 15.9 .2007)

Das könnte durchaus interessante Ergebnisse bringen. Die wirkliche Frage ist allerdings, welche Art von pädagogischem Konzept hinter so einer Aktion steht, denn nicht die Technologie sondern die Pädagogik und die Inhalte bestimmen das Ergebnis.

Man fragt sich – sollen die Laptops eingesetzt werden, um alte Lehr/Lerninhalte in neue Schläuche zu verpacken? Theoretisch gäbe es hier die Möglichkeit, hier weit darüber hinaus zu gehen und die enge Vorstellung von Alphabetisierung als Lese/Schreibfähigkeit auf multimodale Literalität zu erweitern – also auf die Fähigkeit auch multimodale und multimodale Texte produzieren und kritisch-analytisch rezipieren zu können. Gerade im Volksschulalter, in dem die Fähigkeit der Kinder sich multimodal auszudrücken – sei es durch Sprechen, Singen, Darstellen, Bewegung, Rollenspiel, Zeichnen, Malen usw. – noch nicht verloren gegangen, bzw. unterdrückt worden ist, würden sich hier viele Möglichkeiten für kreativen Unterricht bieten, ohne dass das Lesen/Schreiben dabei zu kurz kommen muss.

Zum Thema Laptopklassen gibt es auch einen Beitrag im aktuellen im merz vom August 2007. Jürgen Bofinger beschreibt in seinem Beitrag „Laptops im Unterricht – unnützes Zeug?“ das Resultat seiner Studie Digitale Medien im Fachunterricht: „Ein Unterricht, in dem die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Mädchen und Jungen im Vordergrund steht, profitiert in besonderer Weise von Schülerlaptops – aber eben in dieser Reihenfolge.“ Ein offener, schülerzentrierter Unterricht brachte im Gegensatz zu einem eher lehrerzentrierten Unterricht nach Aussage der befragten Lehrkräfte den höchsten Mehrwert für die SchülerInnen.

September 9, 2007

Digital Heroes

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Auf MTV lief letzte Woche eine Dokumentation über Videospiele. Interessant für alle, die einen Einblick in die Faszination, die digitale Spiele ausüben, und die Geschichte der populärsten Helden, Antihelden und Bösewichte gewinnen wollen. Ermöglicht ansatzweise zu verstehen, womit die Kids eigentlich so viel Zeit verbringen und warum sie so viel Spass daran haben. Also ist diese Dokumentation eigentlich Pflicht für alle Eltern und LehrerInnen. Online kann man sie sich derzeit unter MTV >Channels>Games>AAA Videogames Digital Heroes noch ansehen. Unter anderen spricht auch Medienwissenschaftler Mathias Mertens, Co-Autor der Kulturgeschichte von Computerspielen: Wir waren Space Invaders.

September 1, 2007

Keine Angst vor kreativer Partizipation

Gespeichert unter: Internet, Schulprojekt, Unterrichtsmaterial, remix — Sigrid @ 2:45

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Eine Website voller ungewöhnlicher Ideen, auch für die Schule ist Learning to Love you More von Künstlerinnen Miranda July and Harrell Fletcher.

Eine Liste von Aufgaben gibt kreative Vorgaben für eine Reihe von Projekten, fordert aber auch zum Mitspiel heraus. Die Benutzer können partizipieren, indem sie ihre eigenen Resultate zurückschicken und auf der Website veröffentlichen. So sieht man wie andere die Herausfordungen gemeistert haben. Es gibt u.a. Ideen für Foto, Video und Designprojekte – mit denen sich in kürzester Zeit Ausstellungen zusammenstellen lassen können – was die Künstlerinnen auch machen. Die Natur der Projekte ist so, dass sie vielerlei Interpretationen möglich machen und anregende Diskussionen über die Aufgaben von Design, Photographie und Video provozieren können.

#62. Mache eine Schautafel für einen öffentlichen Platz (Make an Educational Public Plaque)

#63 Mache ein aufmunterndes Banner (Make an encouraging banner)

#47 Spiele eine Szene aus einem Film nach, die jemanden zum Weinen gebracht hat (Reenact a scene from a movie that made someone else cry)

#50 Mache einen Schnappschutz mit Blitzlicht unter Deinem Bett (take a flash photo from under your bed)

#23 Schaffe eine Neuversion dieses Schnapschusse (Recreate this snapshot)

Learning to love you more

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