MedienABC

Juli 11, 2007

Schluss mit der Schule

Gespeichert unter: Community of Practice, Politik, Schulprojekt — sj @ 9:49

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Nicht auf den Schulschluss spiele ich an, obwohl ich wie viele andere Eltern von Schulkindern die Ferienzeit als äußerst angenehm empfinde. Man merkt das immer erst in den Ferien, wie viel Stress in der Schulzeit herrscht und wie viel davon die Kinder heimbringen…

Nein, es geht um „Schluss mit der Schule“, einen radikalen Vorstoss der Erziehungsbehörde Knowsley Council in Merseyside, in GB, die beschlossen hat, im Zuge einer radikalen Erziehungsreform die existierenden elf Schulen der Sekundarstufe zu schliessen und an Stelle dessen sieben topmoderne Lernzentren zu eröffnen, die (fast) rund um die Uhr von 7.00 -22.00, auch in den Ferienzeiten geöffnet sein sollen. Ohne fixe Schulklassen, ohne Stundenplan sollen die Kids in Internetcafe-ähnlichen Lernzonen an Aufgaben arbeiten, die auch Erwachsenen zugänglich sind.

Ein dramatischer Schritt, auf jeden Fall. Ob dies den Anfang vom Ende der traditionellen Schulmodelle bedeutet, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, sei dahin gestellt. Noch sind zu viele Fragen offen. Soll hier ein wirklich innovatives Konzept von lernerzentriertem und situiertem Lernen verwirklicht werden, oder werden hier Technologiewunder erwartet, die nie und nimmer erfüllt werden können? (Microsoft tritt hier u.a. als Sponsor auf, das alleine schon gibt Anlass zu regen Debatten in Blogkommentaren.)

Aber wenn ich mir so meinen Sohn anschaue, der in Schulzeiten sich mit hängenden Schultern in die Schule schleppt, und jetzt in seinem Ferialpraktikum bei Okto geradezu aufblüht, frage ich mich wie schon oft zuvor, wie eine radikal andere Schule für die Kinder des 21.Jh. aussschauen sollte. Nicht unbedingt (nur) wie ein Internetcafe, aber auch nicht wie eine Kaserne aus dem vorvorigen Jahrhundert, würde ich mal sagen.

Mehr dazu im Independent , bei Graham Attwell, Stephen Downes, und Will Richardson.

März 19, 2007

Community of Practice

Gespeichert unter: Community of Practice — sj @ 12:25

Weitere Definitionen von Community of Practice habe ich gefunden bei Ralf Klamma/PROLEARN

Meine Übersetzung:

  • Communities of practice sind Gruppen von Menschen mit einem gemeinsamen Anliegen oder Leidenschaft für eine Tätigkeit, die regelmäßig kommunizieren, um zu lernen, wie man diese besser ausübt. (Wenger 1998)
  • Community of Practice (CoP) ist ein Grundgedanke, welcher bei Informationssystemen weit verbreitete Anwendung fand.
  • Englisch:

  • Communities of practice are groups of people who share a concern or a passion for something they do and who interact regularly to learn how to do it better. (Wenger 1998)
  • A basic concept is community of practice (CoP) that has been widely used as a fundamental for information systems.
  • Februar 3, 2007

    Community of Practice

    Gespeichert unter: Community of Practice — sj @ 8:29
    Tags:

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    Was mich interessiert ist der soziokulturelle Anteil am Lernprozess und Lernverhalten von Kindern.

    Ich übersetze hier eine Erklärung zu Situated Learning:
    „Lave argumentiert, dass Lernen normalerweise eine Funktion ist die aus der Aktivität, dem Kontext und der Kultur erwächst, in dem es stattfindet (i.e. in dem es situiert ist.) Das geschieht im Gegensatz zu dem meisten Lernaktivitäten im Klassenzimmer, die Wissen betriffen, das aus dem Kontext gerissen ist. Soziale Interaktion ist eine wesentliche Komponente von situiertem Lernen — die Lernenden werden in eine „Community of Practice“ eingebunden, welche bestimmte zu lernende Vorstellungen und Verhaltensweisen verkörpert.
    Der Anfänger bewegt sich von der Peripherie dieser Gemeinschaft auf das Zentrum zu und wird dabei aktiver und involvierter in diese Kultur, um schliesslich die Rolle des Experten, des „alten Hasen“ einzunehmen. Ausserdem geschieht situiertes Lernen normalerweise unabsichtlich, nicht absichtlich.“ Lave & Wenger (1991)

    Die Graphik oben stammt aus Anning/Ring (2004) Making Sense of Children’s Drawings. (Dsa Buch bezieht sich auf Kinder im Vorschul- und Grundschulalter.) Eine besser lesbare Version der Grafik ist hier: Communitiy of Practice

    Die Community of Practice zu Hause und in Bildungsinstitutionen besteht jeweils aus:

  • Riten und Ritualen
  • Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Verwendung von Werkzeugen (Sprache, Zeichnen)
  • Verwendung von Artefakten (Dingen)
  • Erfahrung durch Aktivitäten (informelles Lernen)
  • Zugang zu Orten
  • Zugang zu TV/Video/Internet

    Das Kind muss aus den Übereinstimmungen und Widersprüchen dieser Umgebungen erst sein eigenes Verständnis schaffen (make sense). (Zwischen zu Hause und in der Schule gibt es oft grosse Unterschiede, und auch oft diametral entgegengesetzte Erfahrungen zu machen.) Das Kind konstruiert sein Verständnis und gibt dem Erfahrenen Bedeutung durch aktive Handlungen und Spielhandlungen: (meaning making)

  • Geschichten erzählen/Rollenspiele
  • Zeichen (Zeichnen, Schreiben)
  • körperliche Handlungen/Geste/Körpersprache
  • Modelle/Manipulation von Objekten
  • Januar 26, 2007

    Oberösterreichische Community of Practice

    Vor über einem Jahr habe ich versucht, alle medienpädagogischen Angebote in Österreich zu erfassen. Interessant ist vielleicht das Beispiel Oberösterreich, wo es ein sehr breites Spektrum an Angeboten gibt. Oberösterreich scheint mir ein gutes Beispiel zu sein für Communities of Practice, siehe auch Communities of Practice im deutschen wikipedia bzw situated learningSituiertes Lernen.

    Es scheint hier eine für Kinder & Medien recht fruchtbare Atmosphäre zu herrschen. Zumindest kann man sagen, dass 2005 neun von sechzehn Siegerbeiträgen des Media Literacy Award aus Oberösterreich kamen. Im Jahr 2006 waren es fünf Preisträger aus Oberösterreich, und sechs aus Wien, wenn man das auf die Bevölkerungszahl umlegt, stehen die Oberösterreicher noch immer besser da.

    Wie schaut sie also aus, die Community of Practice in OÖ?
    (Kein Anspruch auf Vollständigkeit.)

    Erstens gibt es mehrere Kulturzentren und Werkstätten in Wels und Linz.
    Das Medienkulturhaus Wels, mit seinem Vermittlungsprogramm, und dem jährlichen Youki, dem INTERNATIONALEN JUGEND MEDIEN FESTIVAL.

    Die Medienwerkstatt Linz „Die Medienwerkstatt Linz ist eine gemeinsam von der Stadt Linz und der Arbeiterkammer OÖ. getragene Bildungseinrichtung, die einen offenen Zugang zur Produktion nicht-kommerzieller Radio- und Fernsehsendungen ermöglichen will.“

    Oberösterreichische Medienwerkstatt „Die Medienwerkstatt der oberösterreichischen Kinderfreunde (einer SPÖ Vorfeldorganisation) richtet sich mit ihren Angeboten an Kinder und Jugendliche – mobile Medienwerkstatt.“

    MEDEA bzw PANGEA Verein für Medienpädagogik Medea, eine Linzer Initiative ist als Plattform für Projekte der aktiven Medien- und Kulturarbeit konzipiert und konzentriert sich auf die Projektarbeit mit MigrantInnen und ÖsterreicherInnen.

    Servus ist eine „Schnittstelle zur kritischen Auseinandersetzung mit Telekommunikationsmedien und -netzen, die aus dem open space Gedanken verpflichtet ist und aus der Stadtwerkstatt Linz, einer Kommunikations- und Aktionsplattform zur Kunst- und Kulturvermittlung hervor ging. Servus.at veranstaltet Workshops und hostet als Webplattform zahlreiche oberösterreichische Kunst- und Kulturinitiativen.

    Es wird aber auch für die Ausbildung von Fachleuten gesorgt, so bietet das Jugendreferat OÖ Bildungsseminare zur Aus- und Fortbildung, nämlich einen Grundkurs Medienpädagogik für Außerschulische Jugendarbeit.

    Es gibt aber auch Angebote für LehrerInnen: nicht nur die PÄDAK Linz bietet mehrere Akademielehrgänge u.a. zum Diplomierten Medienpädagogen (Diplomierter MedienpädagogeIn, Multimedia-Pädagogik Professionelle journalistische Medienarbeit), das Religionspädagogische Institut der Erzdiösose Linz bietet als einziges von 11 Religionspädagogischen Instituten einen Akademielehrgang „Medienkompetenzen“. (Stand vor ca einem Jahr, ich kann die Info jetzt online nicht finden)

    In Linz gibt es nicht nur eine HBLA für künstlerische Gestaltung, aber auch das meiner Recherche nach in Österreich einzige Medienrealgymnasium (MRG, seit 1998) Fadingerstraße, eine der wenigen Schulen die im Schulprofil Medien als Schwerpunkt haben.

    In OÖ gibt ein erfolgreiches freies Radio, das Radio Fro das Praktikumsplätze für eine Radionausbildung bietet
    irgendwo habe ich gelesen, auch einen offenen Kabelkanal.

    Dazu kommt die Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung

    und darüber hinaus bietet natürlich die Ars Elekronica ein Forum der Auseinandersetzung mit Medien bis hin zur Medienkunst auch auf internationaler Ebene. mit seinem Museum der Zukunft „Im Museum der Zukunft werden modernste Technologien von versierten Infotrainern interessant und jugendgerecht vermittelt. Interaktive Projekte ermöglichen es den Schülern, unter fachkundiger Führung die Welt der neuen Medien zu erkunden.“ Ausserdem gibt es den Computerwettbewerb „u19 – freestyle computing“. „Eingereicht werden können alle Projekte und Arbeiten, die mit Hilfe des Computers realisiert oder gestaltet wurden wie Computeranimationen, Grafiken, Zeichnungen, Sounds, Spiele, Software- und Hardwareanwendungen oder Websites. Bei der Verwendung der Tools gibt es keine Beschränkung – freestyle computing eben!“


    Ich habe keine Ahnung, wie weit all diese Organisationen und Initiativen vernetzt sind, ich nehme an, dass die meisten Verbindungen informeller Natur sind. Ich nehme an, es wird auch in den lokalen Medien einiges geschrieben. So dass eben eine Lehrerinnen auch die Ars Elektonica besucht, dann einen Weiterbildungslehrgang macht, ein Jugendlicher, der beim Youki Filmfestival teilnimmt, und später auf der Hochschule studiert etc. – eben eine community of practice.

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