
Eine wichtige Methode in der Praxis der Medienpädagogik ist die Reflexion über die eigene Medienbiographie. Die Musik, Bildern, Bücher, Comix, Filmen und Fernsehsendungen, die man als Kind und Jugendlicher rezipiert hat, sei es ob mit Unterstützung der Eltern und Lehrer, oder gegen deren Willen, haben die eigene Entwicklung, Identität, Beziehung in der Familie und Freundschaften, die eigene Sozialisation mitgeprägt. Perönliche Medien-Vorlieben und Abneigungen sind durch Herkunft, Klasse, Erziehung, Nationalität, Geschlecht usw. geprägt und müssen auch so verstanden werden, wenn man sich vorurteilsfrei und möglichst unvoreingenommen mit der Medienwelt der Kinder und Jugendlichen und deren Erfahrungen auseinandersetzen und SchülerInnen nicht die eigenen Wert- und Geschmacksurteile als die einzig gültigen aufzwingen möchte.
Und was hat das mit dem Bild oben zu tun? Das abgebildete mittlerweile zum Designklassiker avancierte tragbare Transitorradio von Brionvega (Geld hatten meine Eltern nicht viel, aber Geschmack!) ist untrennbar mit meiner eigenen Medienbiographie in der Zeit der frühen siebziger Jahre verknüpft – das und die Ö3-Musicbox, die ich täglich um 3 Uhr Nachmittag auf diesem Radio hörte.
Für die jüngere Generation: Die Musicbox war ein Nischenprogramm, das seit 1967 ausgestrahlt wurde, non-mainstream Musik spielte, als kritisch und aufmüpfig galt, und aus der damaligen Jugendkultur nicht wegzudenken war. Michael Schrott dazu: „Die Musicbox war einfach das Programm, dass das gemacht hat, was die anderen nicht machen. Das heißt, in der „Musicbox“ lief die Musik, die im übrigen Ö3 nicht gelaufen ist, und es liefen die Berichte, die im übrigen Radio nicht zu hören waren. Solche Sendungen gibt es heute nicht mehr.“ Nicht nur Richard Goll betont zu Recht, wie wichtig die „Musicbox“ im konservativen Österreich der späten sechziger und frühen siebziger Jahre für die Sozialisierung der Jugend war.