MedienABC

August 29, 2008

Neue Kulturtechnik

Ganz aktuell ein guter Beitrag im Standard unter dem Titel Das fehlende Notebook. Helmut Spudich argumentiert, dass Digital Literacy bzw. umfassende Computerkompetenzen als wichtigste Kulturtechnik seit Gutenberg schon ab der ersten Schulklasse vermittelt werden sollte. Ich zitiere aus dem Standard:

Übrigens wird der nächste Pisa-Test, dessen für Österreich meist mittelmäßigen Ergebnisse gern mit ritueller Selbstzerknirschung begleitet werden, einen eigenen Teil für „Digital Literacy“ umfassen – also die digitalen Lern- und Schreibkenntnisse der Schüler testen. Früh übt sich, wer hier gut abschneiden will.

Natürlich geht es nicht darum, bei OECD-Test-ergebnissen zu glänzen. Es geht darum, dass die Schule die wichtigste Kulturtechnik seit Gutenbergs Buchdrucktechnik und der industriellen (und damit billigen) Produktion von Papier und Schreibzeug weitgehend ignoriert. Mein üblicher Zusatz: Gemeint ist die Schule als System, nicht gemeint sind gute Initiativen einzelner Schulen, Klassen, Lehrerinnen und Lehrer. Ein oder zwei Computer pro Klasse oder ein Computerraum pro Schule: Das wäre so wie ein paar Bücher pro Klasse oder eine Handbibliothek für alle Kinder, und geschrieben wird nur im „Schreibsaal“.

Ich würde dazu anmerken, dass diese neue „Literacy“ Medienbildung in umfassendem Sinn einschliessen sollte. (auch Umgang mit Photographie, Film, Video sind wichtige neue Kulturtechniken – praktisch ist, dass diese mittlerweile auch via digitaler Technologie ausgeübt werden können – d.h. dass der Computer als Werkzeug ergänzt durch weitere Geräte wie Kameras, Audio-Aufnahmegeräte, Scanner usw. das zentrae Gerät bleibt.) 

Das Problem allerdings sind nicht so sehr die Kosten für die Ausstattung mit Computern oder Laptops, sondern die Kosten und der mangelnde politische Wille für die dazu notwendige LehrerInnenausbildung. Wie Beispiele in anderen Ländern zeigen, mangelt es selbst dort, wo die technische Ausstattung hervorragend ist, wie in der Schweiz oder in Silicon Valley, an dem nötigen Know How bei LehrerInnen, die Geräte auch wirklich sinnvoll im Unterricht einzusetzen. Möglichkeiten und Beispiele für spannenden, relevanten und schülerzentrierten Unterricht gäbe es genug, aber wer kümmert sich darum, dass dieses Wissen auch die Lehrerinnen erreicht?

November 14, 2007

PISA Studie 2007

Gespeichert unter: Politik, Universität & Forschung, Österreich — Sigrid @ 12:28


Pisa von vivneal

Am 4. Dezember wird die neueste PISA Studie veröffentlicht, was wohl wieder in den Medien breit debattiert werden wird. Stefan T. Hopmann und seine Forschungseinheit an der Uni Wien hat Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Ländern gebeten haben, PISA aus ihrer Sicht vor allem methodologisch zu bewerten. Herausgekommen ist dabei das Buch: PISA zufolge PISA / PISA According to PISA (LIT Verlag 2007), das diese Woche erscheinen wird. Die Autoren hoffen mit ihrem Beitrag „der gerade in Österreich doch sehr heftigen PISA-Hysterie etwas entgegen wirken zu können.“ Wer also an einer differenzieren Sichtweise interessiert ist, sollte sich dieses Buch zulegen.

Oktober 16, 2007

Zweisprachige Ortstafeln

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In Joachim Riedels aktuellem Beitrag in der Zeit über eine neue, vom Unterrichtsministerium in Auftrag gegebene Studie zum kulturellen Verhalten der ÖsterreicherInnen, steht über Kärnten: „In keinem Bundesland besitzen mehr Bewohner keinerlei Fremdspachenkenntnisse (52 Prozent; im Vergleich dazu die beiden Spitzenreiter Wien mit 17 Prozent und Vorarberg mit 20 Prozent) und nirgendwo wird weniger gelesen. In diesem Kontext scheinen zweisprachige Ortstafeln kein schlechter pädagogischer Ansatz zu sein.“ Riedl merkt auch an, dass die Studie in ihrem Fragenkatalog eher traditionellen Vorstellungen von kulturellem Verhalten verhaftet blieb; die steigende Tendenz zu aktiver Partizipation wäre noch sichtbarer geworden, wenn stärker neue Kulturtechniken berücksichtigt worden wären. „Ganz am Rande berührt werden etwa nur die vielen Aspekte der schillernden Netzkultur und der digitalen Kommunikation, die offensichtlich von Kulturforschern noch nicht ganz ernst genommen wird.“

Mein Beitrag und pädagogischer Hinweis dazu gilt der fleissigen Nutzung des gratis online Ortstafelgenerators. So schlägt man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: man lernt slovenisch und partizipiert an Netzkultur.

Juli 11, 2007

Schluss mit der Schule

Gespeichert unter: Community of Practice, Politik, Schulprojekt — sj @ 9:49

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Nicht auf den Schulschluss spiele ich an, obwohl ich wie viele andere Eltern von Schulkindern die Ferienzeit als äußerst angenehm empfinde. Man merkt das immer erst in den Ferien, wie viel Stress in der Schulzeit herrscht und wie viel davon die Kinder heimbringen…

Nein, es geht um „Schluss mit der Schule“, einen radikalen Vorstoss der Erziehungsbehörde Knowsley Council in Merseyside, in GB, die beschlossen hat, im Zuge einer radikalen Erziehungsreform die existierenden elf Schulen der Sekundarstufe zu schliessen und an Stelle dessen sieben topmoderne Lernzentren zu eröffnen, die (fast) rund um die Uhr von 7.00 -22.00, auch in den Ferienzeiten geöffnet sein sollen. Ohne fixe Schulklassen, ohne Stundenplan sollen die Kids in Internetcafe-ähnlichen Lernzonen an Aufgaben arbeiten, die auch Erwachsenen zugänglich sind.

Ein dramatischer Schritt, auf jeden Fall. Ob dies den Anfang vom Ende der traditionellen Schulmodelle bedeutet, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, sei dahin gestellt. Noch sind zu viele Fragen offen. Soll hier ein wirklich innovatives Konzept von lernerzentriertem und situiertem Lernen verwirklicht werden, oder werden hier Technologiewunder erwartet, die nie und nimmer erfüllt werden können? (Microsoft tritt hier u.a. als Sponsor auf, das alleine schon gibt Anlass zu regen Debatten in Blogkommentaren.)

Aber wenn ich mir so meinen Sohn anschaue, der in Schulzeiten sich mit hängenden Schultern in die Schule schleppt, und jetzt in seinem Ferialpraktikum bei Okto geradezu aufblüht, frage ich mich wie schon oft zuvor, wie eine radikal andere Schule für die Kinder des 21.Jh. aussschauen sollte. Nicht unbedingt (nur) wie ein Internetcafe, aber auch nicht wie eine Kaserne aus dem vorvorigen Jahrhundert, würde ich mal sagen.

Mehr dazu im Independent , bei Graham Attwell, Stephen Downes, und Will Richardson.

Juni 1, 2007

Schlurf – Im Swing gegen den Gleichschritt

Gespeichert unter: Bewahrpädagogik, Politik, Populärkultur — Sigrid @ 9:31

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Die ORF-Reform hats gebracht. Ähem, ich sehe zwar nicht viel fern, aber zum Auftakt der neuen sonntäglichen Dokuschiene gab es gleich eine hervorragende TV-Dokumentation: „Schlurf – Im Swing gegen den Gleichschritt“ von Monica Ladurner & Wolfgang Beyer.

Einige Aussschnitte aus diversen Rezensionen:

Der Film beleuchtet eine bis heute eher wenig beachtete Thematik in der Erforschung des Dritten Reiches, nämlich die der „musikalischen Subkultur“.

Bekannt ist, dass Jazz und Swing, von den Nationalsozialisten auch als „Neger-„ und „Judenmusik“ bezeichnet, damals, wie fast alles nicht genehme, zu den „entarteten“ Kunstformen zählte. Die daraus abgeleiteten Tanzformen ebenfalls. Zu Beginn eher verpönt, wurden die Anhänger des Jazz („Swing-Jugend“) mit der Zeit von der Nazi-Diktatur im zunehmenden Maße kriminalisiert, und schließlich auch verfolgt. Das Hören von Jazz endete nicht selten in „Arbeitserziehungslagern“, in Jugend-KZs oder in der Todeszelle.

Schlurf erzählt die Geschichte einer Jugendkultur, welche gegen ein politisches System zu rebellieren versuchte, das keine Individualität und Freiheit zulassen wollte. Der Film handelt von Menschen, die sich der Nazi-Diktatur nicht beugen wollten, den Dienst in der HJ verweigerten, „Feindsender“ hörten und auch ihrer Begeisterung für Jazz-Musik und Swing-Tanz trotz immer härter werdender Repressionen nicht abschworen. von ManyMusics

Wir wissen, wie die ‘Schlurfs’ und ‘Swings’ in Österreich und Deutschland, die ‘Zazous’ in Frankreich und die ‘Potapki’ in der Tschechoslowakei reagiert haben“, so die Filmemacher weiter. „Mit Verweigerung und zivilem Ungehorsam, manche auch mit aktivem Widerstand, den einige von ihnen mit dem Leben bezahlen mussten. Dem allgemeinen ‘Sieg Heil!’-Gebrüll setzten sie ihr trotziges ‘Swing Heil!’ entgegen und versuchten so, ihre Autonomie zu bewahren, ihre Individualität und den Glauben an eine Welt jenseits des Gleichschritts.“

In den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entschieden sich Tausende Jugendliche für eine Lebenskultur, die im diametralen Gegensatz zu den Idealen des nationalsozialistischen Regimes stand. Die Dokumentation erteilt jenen das Wort, die – obgleich als Jugendbewegung von den Nazis verfolgt – später niemals als NS-Opfer anerkannt wurden, für deren Geschichte sich bisher nur ein kleiner Kreis von Fachleuten interessiert hat und deren Name auch heute noch – Jahrzehnte nach Ende der Naziherrschaft – ein Schimpfwort geblieben ist.

Historischer Krimi

Der Film ist keine „Geschichts-Dokumentation“ im klassischen Sinn, eher ein „historischer Krimi“, in dem die Frage nach geschichtlichen Kontinuitäten gestellt wird, nach dem Fortwirken von „längst Vergangenem“ in der Gegenwart. Es geht um Fragen, die damals so aktuell waren wie heute: Was passiert, wenn man jungen Menschen ihre Musik nimmt, wenn man ihre Tänze verbietet, ihren Lebensstil kriminalisiert, ihre Kultur als staatsfeindlich brandmarkt? vom ORF

Die Kids hatten auch ihre eigene Mode – im Gegensatz zum HJ Bürstenschnitt trugen die Burschen teilweise die Haare bis zum Kragen, die Sakkos und Hosen waren überweit.

Das Buch zum Thema: „Schlurfs“. Annäherungen an einen subkulturellen Stil Wiener Arbeiterjugendlicher von Anton Tantner. Seine Diplomarbeit gibts als pdf hier.

Mehr zum deutschen Swing auch auf German Swing Youth

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Bilder von: Lexi-tv und swing-tanzen-verboten

April 27, 2007

Moralisieren anstelle von qualifiziertem Unterricht

Gespeichert unter: Bewahrpädagogik, Medienpädagogik, Politik — sj @ 9:13

Es gibt zum Thema „Demokratie lernen“ derzeit eine Standard Serie – die sich anläßlich der Herabsetzung des Wahlalters auf 16 mit der Frage nach politischer Bildung beschäftigt. Die Print-Ausgabe vom Standard vom letzten Dienstag, 24.April brachte: „Eigenes Unterrichtsfach, kompetentere Lehrer – Wolfgang Sander, deutscher Politik-Didaktiker, über kompetentes Politik-Lehren und moralisierendes Ersatzlabern im STANDARD-Interview“

Viele der Punkte, die Sander hier in Bezug auf Politische Bildung anführt, gelten auch für die Medienbildung. Und gewiss kann man argumentieren, dass heute politische Bildung ohne Medienbildung gar nicht möglich ist. Hier ein paar Zitate aus dem Interview, wobei ich „Politik“ und „politisch“ durch „Medien“ oder „medial“ ersetzt habe.

Die Erfahrung in anderen Staaten zeigt, dass ein eigenes Unterrichtsfach die Qualität der Medien- Bildung deutlich verbessert, weil die Lehrer fachlich kompetenter sind.

Als allgemeine Leitidee des Faches gilt „politische Mündigkeit“. Konkreter geht man von drei Kompetenzbereichen aus, die in der Medien -Bildung entwickelt werden: (Medien-)Urteilsfähigkeit, (Medien-)Handlungsfähigkeit und methodische Fähigkeiten. Menschen sollen somit in den Stand versetzt werden, Medien -Prozesse und Ereignisse reflektiert zu beurteilen, sich politisch zu engagieren – sofern sie dies wünschen – sowie das eigene Lernen zu gestalten.

Didaktische Prinzipien sollen helfen, das komplexe Feld der Medien lernbar zu machen. Dazu gehört das exemplarische Lernen: Lehrer müssen in der Lage sein, Beispiele auszuwählen, an denen man Verallgemeinerbares über Medien - lernen kann. Zweitens das Prinzip der Problemorientierung, das den Problemgehalt medialer - Situationen erschließt. Sehr wichtig ist Schülerorientierung. Hierfür benötigen Lehrer die Fähigkeit, Schülervorstellungen angemessen zu diagnostizieren und Lernangebote so zu konzipieren, dass sie an diesen Schülervorstellungen ansetzen und diese weiterentwickeln können.

STANDARD: Sie kritisieren die „Neigung zur Moralisierung medialer Fragen“ im Medien -Unterricht. Woher kommt sie?

Sander: Dieses Problem betrifft die Medien - Bildung vor allem dort, wo Lehrer nicht hinreichend fachlich qualifiziert sind. Sie neigen dann häufig stark dazu, Medien in erster Linie unter moralischen Aspekten zu betrachten. Zwar haben Medien immer auch eine moralische Dimension, aber es gehört auch zum Medien - unterricht, Medien nach fachlichen Gesichtspunkten zu untersuchen.

Interessanter Punkt. In der Medienpädagogk läuft das Moralisieren unter „Bewahrpädagogik“. Bezieht man Sanders Argument auf Medienerziehung, heisst dass: je weniger die Lehrer/innen im Bereich Medien ausgebildet sind, desto mehr tendieren sie dazu zu moralisieren, bzw zum „moralisierenden Ersatzlabern“. Hmm. Da könnte was dran sein.

Februar 4, 2007

Bildungspolitik

Gespeichert unter: Politik — sj @ 1:52

Herr Chorherr wird mir immer sympathischer, seit ich seinen Blog lese, wie das eben so ist, wenn man einen Blog über längere Zeit verfolgt. Komisch eigentlich, dass bis jetzt nicht viele Politiker das Potential von Weblogs erkannt haben, eigentlich sind mir nur grüne Blogger (Marie Ringler, Peter Pilz) bekannt. Gibst mehr?

Jedenfalls nimmt er hin und wieder auch zu bildungspolitischen Fragen Stellung, und genauso wie ich hat er anscheinend gerade Joachim Riedls Beitrag über Bildungs- und Kulturpolitik in der Zeit gelesen. Da brauch ich gar nicht selber drüber posten sondern kann getrost nach hier verweisen.

Januar 23, 2007

Staatsvertrag

Gespeichert unter: Onlinevideo, Politik, Satire & Humor, Unterrichtsmaterial, remix — sj @ 8:23

Ein wunderbares satirisches Video auf YouTube, mit dem sich Medienkunde und Geschichte anschaulich lehren lassen. Zu thematisieren wären: die „Gemachtheit“ von Nachrichten und von Geschichte, das Verhältnis von Politik und Medien, die Rolle von Spindoktoren, Geschichtsmythen, Macht der Bilder, kollektives Gedächtnis, Grammatik des Films usw.

Ich hoffe, ich werde die Zeit finden, Details genauer zu recherchieren.

Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags lief 1955 äußerst schmucklos und unprofessionell ab, daher wurde der Staatsakt für die Fernsehübertragung nochmals gedreht – und diesmal nichts dem Zufall überlassen. (maschek. bei Dorfers Donnerstalk, 27. Oktober 2005, ORF/3sat)

Mehr Videos finden sich auf Kommentar schreiben

Mai 26, 2006

SOS-ORF Intitiative

Gespeichert unter: Politik — sj @ 1:59

SOS-ORF, eine Intitiative für bessere TV-Qualität und gegen politische Gängelung des ORF.

Zum unterschreiben und weitersagen!

Zu den Forderungen der Initiative gehören:
- Das Programm muss wieder öffentlich-rechtliche Qualitätsansprüche erfüllen.
- Die politische Gängelung des ORF, egal durch welche Regierung oder Partei, muss endlich aufhören.
- Dies erfordert die Wahl einer ORF-Führung, die diese politische Unabhängigkeit verkörpert.

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