MedienABC

August 9, 2008

Mix deine Hits

Da meine Familie britisch sozialisiert ist, gibt es bei uns keine Semmeln sondern cereals, also Corn Flakes und Co. zum Frühstück. Seit wir in Österreich leben, ärgere ich mich über die meistens blödsinnigen Werbegeschenke in den Packungen. In Großbritannien waren da lustigere Sachen dabei. Aber heute, als ich im Supermarkt nach bewährten Kellogsprodukten griff, zeigte sich, dass ihnen hier mal was Gescheiteres eingefallen, ist, jedenfalls so macht es den ersten Eindruck. In den Packungen findet sich jeweils eine aus einer Serie von CDs mit Software, die zur Medienproduktion einlädt. Mix Master erlaubt es vorgegebene Tonspuren DJ mässig zu scratchen; mit Hit Studio kann man Songs aus verschiedenen Tonspuren mischen; Mit Clips Studio kann man Musikvideos basteln und mit Dance kleine Animationen machen. Ich habe zwar noch keines der Produkte getestet, und ich nehme an, dass sie nur eingeschränkte Funktionen haben und beschränkt Kreativität zulassen, aber wer weiss. Ohne für Kellogs Werbung machen zu wollen, lässt sich damit sicher das eine oder andere kleine Schulprojekt schon in der Volksschule gestalten, ohne hohe Softwarekosten und Sorgen (falls die ein Lehrer hat) darüber, dass man irgendwelche Copyrights verletzt. Das Interface von Clip Studio erinnert durchaus an andere Videoschnitt-Software und so lassen sich damit erste Schritte der Medienproduktion spielerisch erlernen und Grundkenntnisse der Funktionen und Terminologie erwerben, um dann die Neugierde auf mehr zu machen. 

Interessant ist das auch aus einer anderen Perspektive, da sich an dieser Werbekampagne zeigt, dass das was unter Remix-Culture meist in Sinne von kreativen Subkulturen abhandelt wird, bereits längst zum Mainstream gehört. Aktive Medienpartizipation erlernen die Kinder, die Zugang zu einem Computer, dem Internet und der einen oder anderen (Gratis) Software haben und über ein soziales Netz der Unterstützung verfügen ganz nebenbei. Es wird Zeit, dass da auch in den Schulen komplementär dazu Medienbildung betrieben und Multimodalität gefördert wird.


April 3, 2008

Shakespeare als Graphic Novel

Gespeichert unter: Populärkultur, Unterrichtsmaterial, Visual Literacy, remix — Sigrid @ 8:53

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Keine Zeit zum Bloggen, aber manche Schätze muss man einfach weitergeben. Classical Comics beginnt die Produktion von Klassikern der englischen Literatur als Graphic Novel, zwei Shakespeare Titel Macbeth und Henry V sind schon im Handel. Die Bücher sind in drei verschiedenen Textversionen erhältich, mit Originaltext, modernisiertem Englisch oder als dem Comic Format angepasste Kurzversion. Eine fantastische Idee … man fragt sich, warum das noch niemand früher gemacht hat. Da werden sich sicherlich viele klassikergeplagte Schüler und Lehrer mit ihnen freuen, denn gerade Theaterstücke sollte man doch auch unbedingt sehen und nicht nur lesen. Obwohl ich schon als Kind sehr viel gelesen habe, konnte ich mich nie mit dem Lesen von Theaterstücken anfreunden, bis heute.

Laut diesem ausführlichen Bericht im Guardian wurde die Macbeath Version zum größten Teil von Jon Haward, dem Illustrator der Spiderman Comix verfertigt. Er inszenierte die Tragödie mit einem Haufen „whizzbang.“

Auf der Website von Classical Comics kann man sich Probeseiten als Pdf runterladen.

Wer bearbeitet jetzt den Faust, die Räuber, den König Ottokar und den Jedermann für unsere Kinder?

Januar 19, 2008

Queen ist Wii Fan

Gespeichert unter: Computerspiele, Populärkultur, Videospiele, remix — Sigrid @ 12:12

In letzter Zeit habe ich gar keine Zeit zum Bloggen, aber diese Nachricht muss ich mit meine werten Lesern teilen: Die Queen soll ein Fan von Wii gewordensein, nachdem sie beim virtuellen Bowling Spiel mit der Nintendo Spielkonsole, eigentlich ein Weihnachtsgeschenk an ihren Enkel Prince William Feuer gefangen hat. So haben die Queen und ich jetzt etwas gemeinsam: Auch ich habe in den Weihnachtsfeiertagen Wii gespielt.Wie man dieser BBC Studie aus dem Jahr 2005 entnehmen kann, gehört das Spielen von Computer- und Videospielen in Grossbritannien zum Mainstream; digitale Spiele werden quer durch alle Altersgruppen, Geschlechter und soziale Klassen gespielt, bis hin zu den Senioren. Jolly well.

Und weil wir schon beim Thema Queen sind, das Video ist ein freches Stück remix mit Helen Mirren als „The Queen“ und „Shrek“ mit der Stimme von Eddie Murphy:

September 1, 2007

Keine Angst vor kreativer Partizipation

Gespeichert unter: Internet, Schulprojekt, Unterrichtsmaterial, remix — Sigrid @ 2:45

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Eine Website voller ungewöhnlicher Ideen, auch für die Schule ist Learning to Love you More von Künstlerinnen Miranda July and Harrell Fletcher.

Eine Liste von Aufgaben gibt kreative Vorgaben für eine Reihe von Projekten, fordert aber auch zum Mitspiel heraus. Die Benutzer können partizipieren, indem sie ihre eigenen Resultate zurückschicken und auf der Website veröffentlichen. So sieht man wie andere die Herausfordungen gemeistert haben. Es gibt u.a. Ideen für Foto, Video und Designprojekte – mit denen sich in kürzester Zeit Ausstellungen zusammenstellen lassen können – was die Künstlerinnen auch machen. Die Natur der Projekte ist so, dass sie vielerlei Interpretationen möglich machen und anregende Diskussionen über die Aufgaben von Design, Photographie und Video provozieren können.

#62. Mache eine Schautafel für einen öffentlichen Platz (Make an Educational Public Plaque)

#63 Mache ein aufmunterndes Banner (Make an encouraging banner)

#47 Spiele eine Szene aus einem Film nach, die jemanden zum Weinen gebracht hat (Reenact a scene from a movie that made someone else cry)

#50 Mache einen Schnappschutz mit Blitzlicht unter Deinem Bett (take a flash photo from under your bed)

#23 Schaffe eine Neuversion dieses Schnapschusse (Recreate this snapshot)

Learning to love you more

Juni 9, 2007

Die Simpsons auf Abbey Road

Gespeichert unter: In eigener Sache, Populärkultur, remix — sj @ 1:14

Simpsons on Abbey Road

Vor einiger Zeit habe ich über ein Projekt von MIT Studenten berichtet, die ein Konzept für ein Videospiel entwerfen mussten, welches auch einem Text der Populärkultur basiert. Das preisgekönte Projekt waren die Beatles auf Wii. Die entworfene Verpackung zeigt das berühmte und oft imitierte Album Cover mit den Beatles auf der Abbey Road. Hier nun ein weiterer remix – Simpsons auf der Abbey Road.

Warum ich das bringe? Einerseits, weil mich alles interessiert, was remix-culture oder mashup betrifft. Ausserdem hege ich Sympathien sowohl für die Simpsons als auch Beatles. Beatles Fan war ich vor allem als Kind und Jugendliche. Simpsons-Fan wurde ich nach anfänglichem Widerstand durch die Teilhabe an den Fernsehvorlieben meines damals kleinen Sohnes.

E gibt noch einige andere Gründe. Einer davon ist, dass Bart Simpson mir laut Blogstatistik immer wieder neue Leser auf MedienABC bringt. Indem ich also noch einmal Simpsons zeige, biedere ich mich hier sozusagen dem breiten Publikum an. Oder nicht?

Dieser Weblog ist ein autoethnografisches Experiment, über dessen Verlauf ich sicher auch noch mehr berichten werde. Eines ist sicher: Es mag dem flüchtigen Besucher so scheinen, als ob der Weblog unzusammenhängende Versatzstücke bietet; dem ist aber nicht so. Der Weblog veranlasst dazu, Narrative zu konstruieren, indem man bestimmte einmal angesprochene Themen oder Motive immer wieder aufgreift und durch Hyperlinks auch aufeinander bezieht. Und man versucht ein Bild seiner Leserschaft zu entwickeln, und auch für diese zu schreiben, auch für die zufälligen Besucher, die Bart oder Homer suchen. Willkommen auf meinem Blog!

März 19, 2007

Antwort auf Adorno

Schaut man sich diesen Clip an, fällte es nicht schwer zu verstehen, warum Adorno von manchen quasi als ein Grossvater der Bewahrpädagogik gesehen wird. Die elitäre Haltung Adornos und anderer Vertreter der Frankfurter Schule gegenüber Populärkultur bzw. „Massenkultur“, hier konkret „Unterhaltungsmusik“, und deren nachhaltiger Einfluss auf das (deutschsprachige) Bildungsbürgertum, ist wohl einer der Gründe warum die Medienpädagogik, bzw Bewahrpädagogik mittlerweile in eine veritable Sackgasse geraten ist, oder … ahem, sich den eigenen Ast abgesägt hat. Denn die gesellschaftlichen Veränderungen und die Entwicklungen, vorangetrieben durch die digitalen Medien und das Internet, haben diese Positionen längst überholt.

Und jetzt setzt sich das Volk bzw. „Massenpublikum“ via Web 2.0 zur Wehr.

Man darf sich zurecht fragen, warum stellt jemand ausgerechnet diesen Adorno-Clip unkommentiert ins wild-wachsende YouTube-Netz? Es ist anzunehmen, dass hier jemand eine Diskussion, sei es im Postingforum, oder sogar in Form einer Video-Response provozieren wollte.

In einem anderen Forum, dem Volkslexikon Wikipedia steht unter „Kritik“ an der Frankfurter Schule: Die intellektuelle Perspektive der Frankfurter Schule sei in Wirklichkeit eine romantische, elitäre Kritik der Massenkultur im neomarxistischen Gewand: Was die Theoretiker wirklich ärgere, sei nicht die soziale Unterdrückung, sondern die Tatsache, dass die Massen Ian Fleming und den Beatles gegenüber Samuel Beckett und Anton Webern den Vorzug geben. Aus marxistischer Sicht wird kritisiert, dass die Kritische Theorie selber eine Form des bürgerlichen Idealismus darstelle, die keine inhärente Beziehung zur politischen Praxis habe und von jeder revolutionären Bewegung isoliert sei. Georg Lukács pointierte diese Kritik mit seiner Metapher, die Mitglieder der Frankfurter Schule lebten in einem „Grand Hotel Abgrund“, von dessen Terrasse aus sie bei einem Aperitif das Elend der Welt betrachteten.

Wenn Adorno Joan Baezs Protestsongs als unerträglich schnulzenhaft empfand, was dachte er dann wohl über ihr Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz? Dem kleinen pointierten Foto-Beitrag von Barbara Klemm nach wirkt er eher lustfeindlich, oder hatte er einfach keinen Sinn für Humor?

Eine interessante Anwort auf Adorno findet sich indes auf YouTube (Die Schlümpfe fressen Adorno):

Der Autor adornoschlumpf nimmt sich ein Adorno-Zitat vor und vereinnahmt zudem ein Versatzstück der Populärkultur (über das Adorno wohl auch die Nase gerümpft hätte, gehören doch Zeichentrickfilme für Kinder zu den verachtetsten Fernsehgenres überhaupt) und das sicherlich, ohne sich die „Rechte“ für den Film eingeholt zu haben. Er legt dem Brillen-Schlumpf das Zitat in den Mund, worauf ihm der Ast abgesägt wird. Der Autor kreiert dadurch seinen eigenen zweifach subversiven Text, schafft eine neue Bedeutung, die sowohl die intellektuelle als auch die populäre Position unterwandert. Siehe auch remix culture und remix culture und textual poaching. Der Autor dieses Videos ist laut eigener Angabe 16 Jahre alt und kommt aus Österreich. Wenn das stimmt, stellt sich die Frage: Wo hat dieser junge Mann (diese junge Frau) so zu denken und sich multimodal auszudrücken gelernt? Wahrscheinlich nicht in der Regelschule.

Eine poetische Antwort auf Adorno findet sich indes in diesem Kurzfilm adorno neden delirdi von Mert Bilek, 21, aus der Türkei.

Februar 18, 2007

Open Source Kino

straycinema

Straycinema ist ein Projekt, welches sich ganz leicht auch in ein Schulprojekt, oder ganz einfach in den IKT Unterricht einbauen lassen könnte. Staycinema stellt rohes Videomaterial frei zum Download zur Verfügung, aus dem jeder, durchaus auch gemischt mit selbst gedrehten Einstellungen, seinen eigenen Kurzfilm schneiden kann. Die so produzierten Filme kann man dann via YouTube hochladen, die Beiträge werden von der online community beurteilt, und die besten fünf werden schlussendlich in einer richtigen Kinopremiere in London vorgeführt.

Aus bereits vorgefertigtem Rohmaterial einen Film zu schneiden, ist eine didaktisch wertvolle Methode der Medienbildung, ist es doch faszinierend zu sehen, wie sich aus dem gleichen Ausgangsmaterial sehr verschiedene und auch durchaus gegensätzliche Texte konstruieren lassen, und zu erleben, wie die Bedeutung eines Filmtextes erst durch den Schnitt entsteht. Während bei vielen Schulprojekten gleich enorme Ansprüche an das Endprodukt gestellt werden, oft, damit die Klasse mit einem eigenen Video an einem Medienwettbewerb teilnehmen kann, liegt beim Schneiden von vorgefertigtem Material der Schwerpunkt auf dem Prozess der Entstehung, und damit auf dem Lernprozess, der die Reflexion über Themen der Filmsprache, Genre und Publikum mit einschliesst. Das Schöne an Straycinema ist, man kann beides verbinden und auch an einem Wettbewerb teilnehmen.

Januar 23, 2007

Staatsvertrag

Gespeichert unter: Onlinevideo, Politik, Satire & Humor, Unterrichtsmaterial, remix — sj @ 8:23

Ein wunderbares satirisches Video auf YouTube, mit dem sich Medienkunde und Geschichte anschaulich lehren lassen. Zu thematisieren wären: die „Gemachtheit“ von Nachrichten und von Geschichte, das Verhältnis von Politik und Medien, die Rolle von Spindoktoren, Geschichtsmythen, Macht der Bilder, kollektives Gedächtnis, Grammatik des Films usw.

Ich hoffe, ich werde die Zeit finden, Details genauer zu recherchieren.

Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags lief 1955 äußerst schmucklos und unprofessionell ab, daher wurde der Staatsakt für die Fernsehübertragung nochmals gedreht – und diesmal nichts dem Zufall überlassen. (maschek. bei Dorfers Donnerstalk, 27. Oktober 2005, ORF/3sat)

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