In Joachim Riedels aktuellem Beitrag in der Zeit über eine neue, vom Unterrichtsministerium in Auftrag gegebene Studie zum kulturellen Verhalten der ÖsterreicherInnen, steht über Kärnten: „In keinem Bundesland besitzen mehr Bewohner keinerlei Fremdspachenkenntnisse (52 Prozent; im Vergleich dazu die beiden Spitzenreiter Wien mit 17 Prozent und Vorarberg mit 20 Prozent) und nirgendwo wird weniger gelesen. In diesem Kontext scheinen zweisprachige Ortstafeln kein schlechter pädagogischer Ansatz zu sein.“ Riedl merkt auch an, dass die Studie in ihrem Fragenkatalog eher traditionellen Vorstellungen von kulturellem Verhalten verhaftet blieb; die steigende Tendenz zu aktiver Partizipation wäre noch sichtbarer geworden, wenn stärker neue Kulturtechniken berücksichtigt worden wären. „Ganz am Rande berührt werden etwa nur die vielen Aspekte der schillernden Netzkultur und der digitalen Kommunikation, die offensichtlich von Kulturforschern noch nicht ganz ernst genommen wird.“
Mein Beitrag und pädagogischer Hinweis dazu gilt der fleissigen Nutzung des gratis online Ortstafelgenerators. So schlägt man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: man lernt slovenisch und partizipiert an Netzkultur.
In dieser netten kurzen Ansprache spricht Jason Ohler über die Macht von Lehrern – Menschenleben zu verändern. Nach einem harten Tag, wenn die Motivation verloren gegangen ist, sollte man sich als Pädagoge oder Pädagogin diese 5 Minuten anschauen.
Schaut man sich diesen Clip an, fällte es nicht schwer zu verstehen, warum Adorno von manchen quasi als ein Grossvater der Bewahrpädagogik gesehen wird. Die elitäre Haltung Adornos und anderer Vertreter der Frankfurter Schule gegenüber Populärkultur bzw. „Massenkultur“, hier konkret „Unterhaltungsmusik“, und deren nachhaltiger Einfluss auf das (deutschsprachige) Bildungsbürgertum, ist wohl einer der Gründe warum die Medienpädagogik, bzw Bewahrpädagogik mittlerweile in eine veritable Sackgasse geraten ist, oder … ahem, sich den eigenen Ast abgesägt hat. Denn die gesellschaftlichen Veränderungen und die Entwicklungen, vorangetrieben durch die digitalen Medien und das Internet, haben diese Positionen längst überholt.
Und jetzt setzt sich das Volk bzw. „Massenpublikum“ via Web 2.0 zur Wehr.
Man darf sich zurecht fragen, warum stellt jemand ausgerechnet diesen Adorno-Clip unkommentiert ins wild-wachsende YouTube-Netz? Es ist anzunehmen, dass hier jemand eine Diskussion, sei es im Postingforum, oder sogar in Form einer Video-Response provozieren wollte.
In einem anderen Forum, dem Volkslexikon Wikipedia steht unter „Kritik“ an der Frankfurter Schule: Die intellektuelle Perspektive der Frankfurter Schule sei in Wirklichkeit eine romantische, elitäre Kritik der Massenkultur im neomarxistischen Gewand: Was die Theoretiker wirklich ärgere, sei nicht die soziale Unterdrückung, sondern die Tatsache, dass die Massen Ian Fleming und den Beatles gegenüber Samuel Beckett und Anton Webern den Vorzug geben. Aus marxistischer Sicht wird kritisiert, dass die Kritische Theorie selber eine Form des bürgerlichen Idealismus darstelle, die keine inhärente Beziehung zur politischen Praxis habe und von jeder revolutionären Bewegung isoliert sei. Georg Lukács pointierte diese Kritik mit seiner Metapher, die Mitglieder der Frankfurter Schule lebten in einem „Grand Hotel Abgrund“, von dessen Terrasse aus sie bei einem Aperitif das Elend der Welt betrachteten.
Wenn Adorno Joan Baezs Protestsongs als unerträglich schnulzenhaft empfand, was dachte er dann wohl über ihr Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz? Dem kleinen pointierten Foto-Beitrag von Barbara Klemm nach wirkt er eher lustfeindlich, oder hatte er einfach keinen Sinn für Humor?
Eine interessante Anwort auf Adorno findet sich indes auf YouTube (Die Schlümpfe fressen Adorno):
Der Autor adornoschlumpf nimmt sich ein Adorno-Zitat vor und vereinnahmt zudem ein Versatzstück der Populärkultur (über das Adorno wohl auch die Nase gerümpft hätte, gehören doch Zeichentrickfilme für Kinder zu den verachtetsten Fernsehgenres überhaupt) und das sicherlich, ohne sich die „Rechte“ für den Film eingeholt zu haben. Er legt dem Brillen-Schlumpf das Zitat in den Mund, worauf ihm der Ast abgesägt wird. Der Autor kreiert dadurch seinen eigenen zweifach subversiven Text, schafft eine neue Bedeutung, die sowohl die intellektuelle als auch die populäre Position unterwandert. Siehe auch remix culture und remix culture und textual poaching. Der Autor dieses Videos ist laut eigener Angabe 16 Jahre alt und kommt aus Österreich. Wenn das stimmt, stellt sich die Frage: Wo hat dieser junge Mann (diese junge Frau) so zu denken und sich multimodal auszudrücken gelernt? Wahrscheinlich nicht in der Regelschule.
Eine poetische Antwort auf Adorno findet sich indes in diesem Kurzfilm adorno neden delirdi von Mert Bilek, 21, aus der Türkei.
Ein wunderbares satirisches Video auf YouTube, mit dem sich Medienkunde und Geschichte anschaulich lehren lassen. Zu thematisieren wären: die „Gemachtheit“ von Nachrichten und von Geschichte, das Verhältnis von Politik und Medien, die Rolle von Spindoktoren, Geschichtsmythen, Macht der Bilder, kollektives Gedächtnis, Grammatik des Films usw.
Ich hoffe, ich werde die Zeit finden, Details genauer zu recherchieren.
Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags lief 1955 äußerst schmucklos und unprofessionell ab, daher wurde der Staatsakt für die Fernsehübertragung nochmals gedreht – und diesmal nichts dem Zufall überlassen. (maschek. bei Dorfers Donnerstalk, 27. Oktober 2005, ORF/3sat)
Aus der Sicht mancher Eltern oder Pädagogen ist das Internet eine virtuelle Welt voller Gefahren – während Jugendliche selbst dort einen virtuellen Freiraum geortet haben – ähnlich der unbebauten ‘Gstättn’ hinter dem Sportplatz, oder einem Abbruchhaus, voll von nutzlosem aber auch interessantem oder brauchbarem Gerümpel, mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht frequentiert von Autoritätspersonen, ein Ort zum sich Ausleben und Spuren hinterlassen .
Ein satirischer Kommentar in Form einer Animation dazu hier