Am 24. und 25. 11. 2005 fand der INTERNATIONALE MEDIENKONGRESS ZUM THEMA KINDER UND MEDIEN in Wien statt. Es trafen sich hier zum ersten Mal Vertreter der Medienindustrie, insbesondere des Fernsehens und der Telekommunikation mit in- und ausländischen Interessensvertretern der unterschiedlichsten Organisationen, welche sich mit Fragen des Jugendschutzes, der Medienerziehung und der Medien- und Jugendforschung beschäftigen. Ziel des Kongresses war es, Rahmenbedingungen für eine produktive Auseinandersetzung zu diskutieren.
Beiträge aus dem benachbarten Deutschland zeigten, wie hier bereits seit vielen Jahren Jugendmedienschutz und Medienerziehung auf vielfältige Weise gefördert wird. Dem Jugendmedienschutz wird in Deutschland ein sehr hoher Stellenwert beigemessen und folgt dem Prinzip der „regulierten Selbstregulierung“, wobei die unabhängige Kommission für Jugendmedienschutz Beschwerden prüft, und letztlich die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben auch rechtlich einfordern kann.
Die Landesmedienanstalten, die durch einen Teil der Rundfunkgebühren finanziert werden, verstehen die Förderung der Medienkompetenz als einen Beitrag zum präventiven Jugendschutz. Sie bieten nicht nur bieten Information und Beratung sondern fördern aktiv Forschung zu Medienkompetenzthemen, unterstützen Bürgermedien wie zum Beispiel einen offenen TV-Kinderkanal wie auch Produktionsfirmen, die Kindermedien entwickeln. Zahlreiche Fakultäten bundesdeutscher Universitäten und Hochschulen beschäftigen sich mit der Erforschung von Jugend und Medien und bieten Aus- und Fortbildung für Pädagogen an. Die Politik stellt direkt und indirekt die nötigen finanziellen Mittel bereit, um umfassende Initiativen und „Medienoffensiven“ zur Medienbildung und Entwicklung von Medienkompetenz zu ermöglichen.
Ein Beispiel aus den Niederlanden zeigt, dass Zusammenarbeit von Industrie und Staat durchaus zu positiven Ergebnissen führen kann. Hier wurde mit großem Erfolg ein einheitliches Klassifizierungssystem für Film, Fernsehen, Video, DVD und Videospiele eingeführt, dass sowohl empfohlene Altersangaben als auch Piktogramme enthält, die über Inhalte informieren (physische Gewalt, engsterzeugende Bilder, sexuelle Bilder, Drogen& Alkohol, Sprache und Diskriminierung), und damit allen Medienkonsumenten, vor allem aber Erziehungsberechtigten eine wertvolle Entscheidungshilfe bietet.
Die Tagung zeigte, dass Verantwortung zur Erziehung für einen bewussten und kritischen, zugleich auch durchaus lustvollen und spielerischen Umgang mit Medien weder bei den Familien, den Schulen, den Jugendeinrichtungen, noch bei der Medienindustrie allein liegen kann, sondern von allen gemeinsam wahrgenommen werden muss, wobei die Politik hier eine wichtige Rolle zu spielen hat, um notwendigen die Rechtsgrundlagen zu schaffen, damit die Interessen aller Gruppierungen, vor allem aber der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden.
Der Kongress schloss mit der dringenden Aufforderung an die Politik, erstens die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit einerseits kindgerechte Medienproduktion von der Medienindustrie eingefordert werden kann, zweitens die nötigen Mittel bereitzustellen, um Lehrerausbildung und Fortbildung, qualitative Forschung zur Medienpädagogik und breit angelegte Initiativen zur Förderung von Medienbildung und Medienkompetenz zu ermöglichen.