MedienABC

August 2, 2008

Türkische Zeitungen

Gespeichert unter: Uncategorized — Sigrid @ 10:53

Ich bin gerade über diesen lesenswerten Beitrag  “Neulich beim Greissler“ gestossen, wobei der Greissler sich über türkische Zeitungen äußert, und eigentlich betrifft das das Thema Medienbildung nur am Rande. Oder? Im angelsächsischen Forschungsdiskurs über Literacy setzt sich immer mehr die Ansicht durch dass Lesen und Schreiben nicht nur als kognitive Prozese zu verstehen sind, sondern als soziale, kulturelle Praktiken – Lese- und Schreibfähigkeit hängt vom sozialen kulturellen Kontext ab, und die Frage, wie weit auf die kulturellen Praktiken und Vorerfahrungen von Kindern auch in der Schule eingegangen wird, hat Auswirkungen auf deren schulischen Erfolg. Dazu gehören Erfahrungen mit Filmen, Fernsehen, Büchern und Zeitungen, die natürlich auch in Migrantenhaushalten, aber eben vielleicht in anderen Sprachen als Deutsch zu finden sind. Das nur am Rande.

Aber um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, im aktuellen Falter wird ein Buch rezensiert, welches sich mit dem Thema Migration in Europa befasst (Klaus Bade u a (Hrsg) Enzykolpädie Migration Europa. Vom 17. Jh. bis in die Gegenwart“, und ich zitiere aus der Falter-Rezension von Barbara Töth:

Österreich spielt aufgrund seiner geografischen Lage im „Herzen“ Europas, wie die österreichische Historikerin Sylvia Hahn in ihrem Beitrag formuliert, eine besondere Rolle in der europäischen Migrationsgeschichte. Mit Fremden war man immer schon konfrontiert. So stieg die Bevölkerung Wiens von 250.000 um das Jahr 1800 auf rund 1,7 Millionen um 1900 an. Zuwanderer stellten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen Städten zwischen zwei Drittel und drei Viertel der lokalen Bevölkerung. Nach Ende des 2 Weltkriegs befanden sich 1,6 Millionen ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und ehemalige KZ-Insassen in Österreich.

Das kann man gar nicht oft genug wiederholen, vor allem wenn jetzt wieder Wahlkampfzeiten auf uns zukommen, in denen das Ausländerthema sicher wieder verbraten wird. Also auch in diesem Sinne Medienrelevanz.

Mai 26, 2008

Shocking! Riesenrad soll britisch werden!

Gespeichert unter: Filmvermittlung, Kurioses, Österreich — Sigrid @ 10:34
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Diese Nachricht brachte mich zum Lachen, insbesondere als jemand der sein Herz auf der grünen Insel verloren hat. Dass ein Großteil unserer Medien und unsere wichtigsten Banken nicht mehr in österreichischer Hand sind, finde ich viel bedenklicher. Die Briten wissen sicherlich gut, wie sie das Riesenrad als Pächter zu betreiben und vermarkten haben. Sie haben zur vergangenen Jahrtausendwende ca. hundert Jahre nach der Errichtung des Wiener Riesenrades diese Idee sehr erfolgreich mit dem London Eye am Themseufer abgekupfert bzw. innovativ weiterentwickelt und man kann mit Fug und Recht sagen, dass auch London jetzt ein Riesenrad als Wahrzeichen hat. Es gibt hier auch noch eine weitere Verbindung zwischen Wien und London. Der Filmklassiker „Der dritte Mann“ (von Carol Reed mit Orson Welles), der in Wien und unter anderem auch auf dem Riesenrad spielt, gilt als einer der wichtigsten britischen Filme der Nachkriegszeit. „Der dritte Mann“ der am Schauplatz Wien spielt, wurde nach einer Umfrage des British Film Institute 1999 sogar zum besten britischen Film aller Zeiten gewählt! Das Wiener Riesenrad wurde durch einen britischen Film einem internationalen Publikum zum Begriff.

mehr dazu:

Der dritte Mann
Location Shots
Screenonline

Mai 9, 2008

Computerspiele im Unterricht

Vor einiger Zeit hatte ich das Vergügen an der Donauuni Krems einen Workshop mit LehrerInnen zu leiten, als Teil des vom bmukk unterstützen Projektes „Didaktische Szenarien des Digital Game Based Learning“, bei dem es darum geht, Möglichkeiten für den Einsatz von kommerziellen Computerspielen im Schulunterricht zu erforschen.
Hier ein Link zur Webseite des BG/BRG Zell am See, wo zwei engagierte LehrerInnen, Heidelinde Eder-Kaserer und Peter Wittner, das Computerspiel Zoo Tycoon 2 im Sprachunterricht (Deutsch und Englisch) einsetzen: Digital Game Based Learning 2b. Es finden sich Links zu Blogs über das Projekt, welche von den SchülerInnen selbst geführt werden z.B. mit Interviews über das Spielen von Zoo Tycoon 2. Aus dem Elternbrief, der über die Ziele des Projektes informiert:

Die vielfältigen Baufunktionen, die herausfordernden Management-Aufgaben und spannende Spielmodi sollen unsere Schüler/innen in den Bann ziehen. Sie sollen ihren eigenen Zoo zu einer Attraktion für Mensch und Tier machen! Welche Ziele verfolgen wir damit:

  • Die Schüler/innen erweitern „spielerisch“ ihre Kenntnisse bezüglich der Führung eines Zoos; sie lernen vorausschauend planen, entwickeln „wirtschaftliche“ Kompetenz.
  • Sie lernen Wissenswertes über die Tiere und deren Lebensräume.
  • Verständnis für den Naturschutz wird geweckt, da viele der Lieblingstiere auch zu den bedrohte Arten gehören.
  • Partnerarbeit vertieft soziales Lernen.
  • Sozial- und Kommunikationskompetenzen werden gesteigert.
  • Aus der Spielsituation heraus entwickeln die Schüler/innen sprachliche Kompetenz.
  • Der Schwerpunkt in Deutsch sind „Textsorten“: Projekttagebuch führen, Verfassen von Beschreibungen (z.B. Spielbeschreibung des Computerspieles, Tierbeschreibungen), Interviews, Briefe, Blogs, etc.
  • Im Fach Englisch steht die Erweiterung des Wortschatzes im Vordergrund, aber auch Beschreibungen und Interviews werden geübt.

Zoo Tycoon 2 ist – aus unserer Sicht – ein gelungenes Simulationsspiel, das Wissensvermittlung und Spielspaß ideal miteinander kombiniert.

Bullet Point

Gespeichert unter: Vortrag & Lehre — Sigrid @ 9:49

Der Titel dieser Präsentation lebt von der Doppeldeutigkeit des englischen Begriffes bullet, welcher Pistolenkugeln und als bullet point Aufzählungszeichen bedeutet. Es ist eine ausgezweichnete Einführung in die Kunst der Präsentation mit Powerpoint – die klar zeigt, dass PowerPoint am besten funktioniert, wenn man diese als visuelles Medium einsetzt und Bilder verwendet, um Ideen zu kommunizieren.

Meiner Erfahrung liegt in einer wirklich gute Präsentation sehr viel Arbeit. Einerseits muss man den Inhalt des Vortrages vorbereiten, wie bisher, andererseits muss man das Ganze noch einmal aus einer visuell-kommunikativen Perspektive durchdenken, und dann auch noch die geeigneten Bilder finden, wofür viele Stunden an Recherche draufgehen können. Leider habe ich nicht die Zeit, das für jede Lehrveranstaltung zu machen, aber für wichtige Vorträge zahlt es sich aus. Ich möchte bei einem Vortrag die Zuhörer nicht nur mit meiner ungeheuren Intelligenz und Originalität beeindrucken, sondern sie unterhalten. ;-) Und das ist nicht leicht. Ich habe immer Professoren bewundert, die bei Vorlesungen Humor und Witz gezeigt haben – bei meinem Studium an der Wiener Uni ist mir vor allem Prof. Schmidt-Dengler in guter Erinnerung – und deshalb schätze ich wahrscheinlich die britische Kultur der öffentlichen Rede, wo es nicht nur üblich ist, sondern als eine besondere Art von Brillianz gilt, wenn der Redner, sei er Politiker oder Uniprofessor, auch fähig ist, intelligente Witze zu machen. Deshalb sind dort auch Fernsehübertragungen von parlamentarischen Sitzungen im Unterhaus, ja sogar ganz normale Insitutssitzungen an der Uni unterhaltsam. Aber ich schweife ab – leider bin ich rhetorisch nicht so brilliant wie ich es gerne wäre, aber mit Hilfe einer guten Powerpoint Präsentation habe ich es auch schon geschafft, das Publikum ein, zwei Mal zum Lachen zu bringen, und dadurch zu verhindern, dass es einschläft.

Hier das Link zu einem früheren Posting und Video zu „Tod durch Powerpoint“

November 15, 2007

Handyvideos

Christian Berger berichtet auf mediaXpuzzle von dem ersten österreichischen Wettbewerb für Handyvideos, der auf der Plattform Handywissen.at ausgeschrieben wurde. Der Wettbewerb richtet sich auch dezidiert and Schulen und Schulklassen.

Auch Schulklassen und Jugendeinrichtungen können am Filmpreis-Wettbewerb teilnehmen. Dafür braucht man keine speziellen Qualifikationen, denn gefragt ist die Kreativität der Teilnehmer, nicht die technische Perfektion. Einzige wirkliche Voraussetzung ist, dass ausschließlich mit dem Handy gefilmt wird, die Nachbearbeitung am Computer ist erlaubt.

Berger schreibt: Endlich wird das Thema aktiv angegangen und dann auch gleich auf eine sympathische interaktive Weise. … Mit dem Handyfilmpreis wird das aktive Nutzen des Mediums auch pädagogisch akzeptiert (im wirklichen Leben ists ja ohnehin schon Alltag) und gleichzeitig die Chance ergriffen refektierte Nutzung anzuregen.

Ich kann seinem Kommentar nur beipflichten. Ich verstehe allerdings nicht, warum in Österreich medienpädagogische Inititativen fast immer nur über Wettbewerbe laufen, so als ob der kreative Umgang mit Medien nicht schon alleine genug Möglichkeiten zu lustvollem Lernen böte. Vielleicht geht es darum, über den Umweg der Wettbewerbe weniger die Kinder als die LehrerInnen zum Mitmachen zu motivieren. Falls da Direktorinnen, wie Berger es andeutet, wirklich etwas dagegen haben sollten, ist das nur ein erschreckendes Zeichen dafür, wie sehr die Lebenswelt der Kinder und die Welt der Schule immer mehr auseinanderdriften.

Die britische Erziehungswissenschaftlerin Jackie Marsh hat in ihrer umfangreichen Studie „Digital Beginnings“ über Kinder von 0-6 gezeigt, dass zwar nur wenige Vorschulkinder Handy schon alleine nutzen, aber dass die Benutzung des Handy mit der Hilfe von anderen zu den normalen kommunikativen Praktiken in Familien gehört, inklusive Telefonieren, Schicken von Bildern oder SMSen. Kinder lernen den Gebrauch von Mobiltelefonen unter Beihilfe von Älteren von klein auf und entwickeln so allmählich ein Verständnis für deren Funktion und Nutzen im sozialen Kontext. Handynutzung ist verankert in der Alltagspraxis von Familien und somit ein fester Bestandteil des medialen Habitus von Kindern heute.

Die Benutzung von Handys gehört zu den digitalen Praktiken, die in einem erweiterten Verständnis von Lese/Schreibfähigkeit als digital literacies heute zu dem, was Alphabetisierung ist, dazugehören. Letzlich ist die Benutzung des Handys genauso wie die Fähigkeit, mit Tafel und Kreide, Bleistift oder Füllfeder zu schreiben, nichts anderes als die Fähigkeit, diese Technologie sinnvoll anwenden zu können.

November 14, 2007

PISA Studie 2007

Gespeichert unter: Politik, Universität & Forschung, Österreich — Sigrid @ 12:28


Pisa von vivneal

Am 4. Dezember wird die neueste PISA Studie veröffentlicht, was wohl wieder in den Medien breit debattiert werden wird. Stefan T. Hopmann und seine Forschungseinheit an der Uni Wien hat Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Ländern gebeten haben, PISA aus ihrer Sicht vor allem methodologisch zu bewerten. Herausgekommen ist dabei das Buch: PISA zufolge PISA / PISA According to PISA (LIT Verlag 2007), das diese Woche erscheinen wird. Die Autoren hoffen mit ihrem Beitrag „der gerade in Österreich doch sehr heftigen PISA-Hysterie etwas entgegen wirken zu können.“ Wer also an einer differenzieren Sichtweise interessiert ist, sollte sich dieses Buch zulegen.

November 11, 2007

Schulbücher nicht genügend


art von piece_oX

Die Stiftung Warentest hat sich (deutsche) Schulbücher vorgenommen und diese einer Herz und Nierenprüfung unterzogen und ist zu einem eher vernichtenden Urteil über die Qualität gekommen, (siehe auch TAZ mit einem eher kritischen Beitrag). Ich finde das ist eine gute Nachricht, denn sie bietet ein schlagendes Argument in den ewigen Diskussionen um Ungenauigkeiten und Fehlinformationen in Wikipedia.

Es ist sowieso dringend an der Zeit, dass in den Schulen Informationskompetenz vermittelt wird, welche die Erkenntnis beinhaltet:

1. dass das, was wir über die Welt wissen, einem kontinuierlichen Wandel unterworfen ist, 2. dass keine Informationsquelle, egal ober Buch, Website oder andere 100% fehlerfrei ist, 3. dass das, was wir für „richtig“ halten, auch vom historischen, gesellschaftlichen, geografischen, politischen Kontext abhängt, 4. dass Quellen, Inhalte, Informationen und Autoren immer hinterfragt werden müssen.

via Bildungsblog

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