Ich bin gerade über diesen lesenswerten Beitrag “Neulich beim Greissler“ gestossen, wobei der Greissler sich über türkische Zeitungen äußert, und eigentlich betrifft das das Thema Medienbildung nur am Rande. Oder? Im angelsächsischen Forschungsdiskurs über Literacy setzt sich immer mehr die Ansicht durch dass Lesen und Schreiben nicht nur als kognitive Prozese zu verstehen sind, sondern als soziale, kulturelle Praktiken – Lese- und Schreibfähigkeit hängt vom sozialen kulturellen Kontext ab, und die Frage, wie weit auf die kulturellen Praktiken und Vorerfahrungen von Kindern auch in der Schule eingegangen wird, hat Auswirkungen auf deren schulischen Erfolg. Dazu gehören Erfahrungen mit Filmen, Fernsehen, Büchern und Zeitungen, die natürlich auch in Migrantenhaushalten, aber eben vielleicht in anderen Sprachen als Deutsch zu finden sind. Das nur am Rande.
Aber um zum Ausgangspunkt zurückzukommen, im aktuellen Falter wird ein Buch rezensiert, welches sich mit dem Thema Migration in Europa befasst (Klaus Bade u a (Hrsg) Enzykolpädie Migration Europa. Vom 17. Jh. bis in die Gegenwart“, und ich zitiere aus der Falter-Rezension von Barbara Töth:
Österreich spielt aufgrund seiner geografischen Lage im „Herzen“ Europas, wie die österreichische Historikerin Sylvia Hahn in ihrem Beitrag formuliert, eine besondere Rolle in der europäischen Migrationsgeschichte. Mit Fremden war man immer schon konfrontiert. So stieg die Bevölkerung Wiens von 250.000 um das Jahr 1800 auf rund 1,7 Millionen um 1900 an. Zuwanderer stellten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen Städten zwischen zwei Drittel und drei Viertel der lokalen Bevölkerung. Nach Ende des 2 Weltkriegs befanden sich 1,6 Millionen ausländischen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und ehemalige KZ-Insassen in Österreich.
Das kann man gar nicht oft genug wiederholen, vor allem wenn jetzt wieder Wahlkampfzeiten auf uns zukommen, in denen das Ausländerthema sicher wieder verbraten wird. Also auch in diesem Sinne Medienrelevanz.






