
Auf einem anderen interessanten Konzept als das des Medienprojekt Wuppertal basiert der Cineclub in South London.
In Wuppertal steht die ausserschulische Projektarbeit mit Jugendlichen im Vordergrund, wobei die Produkte, also die produzierten Filme unter anderem durch die Beschäftigung mit pädagogisch relevanten Themen wie Politische Bildung, Gewaltprävention, Sexualpädagogik, Suchtprävention, geschlechtsspezifische Arbeit vielleicht auch an der einen oder andern Schule gezeigt werden.
Im Cineclub wird eine direkte Zusammenarbeit mit Schulen angestrebt. Innerhalb eines Semesters bzw Schuljahres werden von professionellen Filmemachern zwei Projekte gemeinsam mit SchülerInnen und LehrerInnen durchgeführt, mit der Absicht die LehrerInnen so auszubilden, dass sie diese Arbeit dann ohne Zusatzhilfe weitermachen können. (Der Cineclub bietet für Interessierte auch weiterführende „Masterclasses“ und Summer Schools an). Die anschliessende Cineclub- Mitgliedschaft unterstützt die Entstehung eines peer-to-peer Netzwerkes.
Auch hier ein wirklich gut durchdachtes Konzept. Vor allem gefällt mir das Cineclub Manifesto: zu dem sich die Teilnehmer verpflichten. Angelehnt an das Dogme95 Manifesto (Lars va Trier ist übrigens auch Schutzpatron des Cineclub) beruht es auf dem Gedanken, dass unter Beschränkungen, die durchaus auch selbst auferlegt sein können, viel kreative Energie freigesetzt werden kann. Ein Credo, an dass ich selbst glaube. Ich habe selbst auch schon in Videoproduktionsklassen das Dogme- Manifest thematisiert.
Das Cineclub Manifesto ist auch clever, weil es Probleme der pädagogischen Praxis anspricht: wie mache ich es, dass wirklich alle im Team mitmachen und sich einbringen und sich nicht ein paar schüchterne oder träge SchülerInnen von den aktiven oder dominanteren einfach nur mittragen lassen. Auch Punkt 5 ist interessant, setzt er doch voraus, dass sich die SchülerInnen auf bestimmte Weise mit der Ästhetik und Geschichte des Films, innerhalb derer sie ja auch operieren, bewusst auseinandersetzen.