MedienABC

Sprache, Schrift und Medienbildung in der Grundschule

Moralisieren anstelle von qualifiziertem Unterricht

Es gibt zum Thema „Demokratie lernen“ derzeit eine Standard Serie – die sich anläßlich der Herabsetzung des Wahlalters auf 16 mit der Frage nach politischer Bildung beschäftigt. Die Print-Ausgabe vom Standard vom letzten Dienstag, 24.April brachte: „Eigenes Unterrichtsfach, kompetentere Lehrer – Wolfgang Sander, deutscher Politik-Didaktiker, über kompetentes Politik-Lehren und moralisierendes Ersatzlabern im STANDARD-Interview“

Viele der Punkte, die Sander hier in Bezug auf Politische Bildung anführt, gelten auch für die Medienbildung. Und gewiss kann man argumentieren, dass heute politische Bildung ohne Medienbildung gar nicht möglich ist. Hier ein paar Zitate aus dem Interview, wobei ich „Politik“ und „politisch“ durch „Medien“ oder „medial“ ersetzt habe.

Die Erfahrung in anderen Staaten zeigt, dass ein eigenes Unterrichtsfach die Qualität der Medien- Bildung deutlich verbessert, weil die Lehrer fachlich kompetenter sind.

Als allgemeine Leitidee des Faches gilt „politische Mündigkeit“. Konkreter geht man von drei Kompetenzbereichen aus, die in der Medien -Bildung entwickelt werden: (Medien-)Urteilsfähigkeit, (Medien-)Handlungsfähigkeit und methodische Fähigkeiten. Menschen sollen somit in den Stand versetzt werden, Medien -Prozesse und Ereignisse reflektiert zu beurteilen, sich politisch zu engagieren – sofern sie dies wünschen – sowie das eigene Lernen zu gestalten.

Didaktische Prinzipien sollen helfen, das komplexe Feld der Medien lernbar zu machen. Dazu gehört das exemplarische Lernen: Lehrer müssen in der Lage sein, Beispiele auszuwählen, an denen man Verallgemeinerbares über Medien – lernen kann. Zweitens das Prinzip der Problemorientierung, das den Problemgehalt medialer – Situationen erschließt. Sehr wichtig ist Schülerorientierung. Hierfür benötigen Lehrer die Fähigkeit, Schülervorstellungen angemessen zu diagnostizieren und Lernangebote so zu konzipieren, dass sie an diesen Schülervorstellungen ansetzen und diese weiterentwickeln können.

STANDARD: Sie kritisieren die „Neigung zur Moralisierung medialer Fragen“ im Medien -Unterricht. Woher kommt sie?

Sander: Dieses Problem betrifft die Medien – Bildung vor allem dort, wo Lehrer nicht hinreichend fachlich qualifiziert sind. Sie neigen dann häufig stark dazu, Medien in erster Linie unter moralischen Aspekten zu betrachten. Zwar haben Medien immer auch eine moralische Dimension, aber es gehört auch zum Medien – unterricht, Medien nach fachlichen Gesichtspunkten zu untersuchen.

Interessanter Punkt. In der Medienpädagogk läuft das Moralisieren unter „Bewahrpädagogik“. Bezieht man Sanders Argument auf Medienerziehung, heisst dass: je weniger die Lehrer/innen im Bereich Medien ausgebildet sind, desto mehr tendieren sie dazu zu moralisieren, bzw zum „moralisierenden Ersatzlabern“. Hmm. Da könnte was dran sein.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am April 27, 2007 von in Bewahrpädagogik, Medienpädagogik, Politik.
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