MedienABC

Sprache, Schrift und Medienbildung in der Grundschule

Handyvideos

Christian Berger berichtet auf mediaXpuzzle von dem ersten österreichischen Wettbewerb für Handyvideos, der auf der Plattform Handywissen.at ausgeschrieben wurde. Der Wettbewerb richtet sich auch dezidiert and Schulen und Schulklassen.

Auch Schulklassen und Jugendeinrichtungen können am Filmpreis-Wettbewerb teilnehmen. Dafür braucht man keine speziellen Qualifikationen, denn gefragt ist die Kreativität der Teilnehmer, nicht die technische Perfektion. Einzige wirkliche Voraussetzung ist, dass ausschließlich mit dem Handy gefilmt wird, die Nachbearbeitung am Computer ist erlaubt.

Berger schreibt: Endlich wird das Thema aktiv angegangen und dann auch gleich auf eine sympathische interaktive Weise. … Mit dem Handyfilmpreis wird das aktive Nutzen des Mediums auch pädagogisch akzeptiert (im wirklichen Leben ists ja ohnehin schon Alltag) und gleichzeitig die Chance ergriffen refektierte Nutzung anzuregen.

Ich kann seinem Kommentar nur beipflichten. Ich verstehe allerdings nicht, warum in Österreich medienpädagogische Inititativen fast immer nur über Wettbewerbe laufen, so als ob der kreative Umgang mit Medien nicht schon alleine genug Möglichkeiten zu lustvollem Lernen böte. Vielleicht geht es darum, über den Umweg der Wettbewerbe weniger die Kinder als die LehrerInnen zum Mitmachen zu motivieren. Falls da Direktorinnen, wie Berger es andeutet, wirklich etwas dagegen haben sollten, ist das nur ein erschreckendes Zeichen dafür, wie sehr die Lebenswelt der Kinder und die Welt der Schule immer mehr auseinanderdriften.

Die britische Erziehungswissenschaftlerin Jackie Marsh hat in ihrer umfangreichen Studie „Digital Beginnings“ über Kinder von 0-6 gezeigt, dass zwar nur wenige Vorschulkinder Handy schon alleine nutzen, aber dass die Benutzung des Handy mit der Hilfe von anderen zu den normalen kommunikativen Praktiken in Familien gehört, inklusive Telefonieren, Schicken von Bildern oder SMSen. Kinder lernen den Gebrauch von Mobiltelefonen unter Beihilfe von Älteren von klein auf und entwickeln so allmählich ein Verständnis für deren Funktion und Nutzen im sozialen Kontext. Handynutzung ist verankert in der Alltagspraxis von Familien und somit ein fester Bestandteil des medialen Habitus von Kindern heute.

Die Benutzung von Handys gehört zu den digitalen Praktiken, die in einem erweiterten Verständnis von Lese/Schreibfähigkeit als digital literacies heute zu dem, was Alphabetisierung ist, dazugehören. Letzlich ist die Benutzung des Handys genauso wie die Fähigkeit, mit Tafel und Kreide, Bleistift oder Füllfeder zu schreiben, nichts anderes als die Fähigkeit, diese Technologie sinnvoll anwenden zu können.

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