MedienABC

Sprache, Schrift und Medienbildung in der Grundschule

Neue Kulturtechnik

Ganz aktuell ein guter Beitrag im Standard unter dem Titel Das fehlende Notebook. Helmut Spudich argumentiert, dass Digital Literacy bzw. umfassende Computerkompetenzen als wichtigste Kulturtechnik seit Gutenberg schon ab der ersten Schulklasse vermittelt werden sollte. Ich zitiere aus dem Standard:

Übrigens wird der nächste Pisa-Test, dessen für Österreich meist mittelmäßigen Ergebnisse gern mit ritueller Selbstzerknirschung begleitet werden, einen eigenen Teil für „Digital Literacy“ umfassen – also die digitalen Lern- und Schreibkenntnisse der Schüler testen. Früh übt sich, wer hier gut abschneiden will.

Natürlich geht es nicht darum, bei OECD-Test-ergebnissen zu glänzen. Es geht darum, dass die Schule die wichtigste Kulturtechnik seit Gutenbergs Buchdrucktechnik und der industriellen (und damit billigen) Produktion von Papier und Schreibzeug weitgehend ignoriert. Mein üblicher Zusatz: Gemeint ist die Schule als System, nicht gemeint sind gute Initiativen einzelner Schulen, Klassen, Lehrerinnen und Lehrer. Ein oder zwei Computer pro Klasse oder ein Computerraum pro Schule: Das wäre so wie ein paar Bücher pro Klasse oder eine Handbibliothek für alle Kinder, und geschrieben wird nur im „Schreibsaal“.

Ich würde dazu anmerken, dass diese neue „Literacy“ Medienbildung in umfassendem Sinn einschliessen sollte. (auch Umgang mit Photographie, Film, Video sind wichtige neue Kulturtechniken – praktisch ist, dass diese mittlerweile auch via digitaler Technologie ausgeübt werden können – d.h. dass der Computer als Werkzeug ergänzt durch weitere Geräte wie Kameras, Audio-Aufnahmegeräte, Scanner usw. das zentrae Gerät bleibt.) 

Das Problem allerdings sind nicht so sehr die Kosten für die Ausstattung mit Computern oder Laptops, sondern die Kosten und der mangelnde politische Wille für die dazu notwendige LehrerInnenausbildung. Wie Beispiele in anderen Ländern zeigen, mangelt es selbst dort, wo die technische Ausstattung hervorragend ist, wie in der Schweiz oder in Silicon Valley, an dem nötigen Know How bei LehrerInnen, die Geräte auch wirklich sinnvoll im Unterricht einzusetzen. Möglichkeiten und Beispiele für spannenden, relevanten und schülerzentrierten Unterricht gäbe es genug, aber wer kümmert sich darum, dass dieses Wissen auch die Lehrerinnen erreicht?

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2 Kommentare zu “Neue Kulturtechnik

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  2. joergruckel
    Juli 23, 2009

    Hallo Sigrid,

    es wird dich nicht überraschen – aber die Situation in Deutschland stellt sich exakt genauso dar…

    Gerade in der Lehrerausbildung habe ich das Gefühl das es kaum voran geht. Das macht mir schon auch Angst und ich befürchte das wir in 20 Jahren vielleicht immer noch darüber diskutieren und sich nichts geändert hat.

    Liebe Grüße

    Jörg

    http://www.ruckel.info

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