MedienABC

Sprache, Schrift und Medienbildung in der Grundschule

Welt ABC

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Der Multimedia Staatspreis 2007 in der Kategorie Förderpreis für Junge Talente wurde dem Projekt Welt ABC von Christian Schreger und seiner Mehrstufenklasse in der Volksschule Ortnergasse in 1150 Wien verliehen.

Das WeltABC ist eine Art visuelles Lexikon, bei dem Bild, Ton und Wort auch in mehreren Sprachen assoziativ miteinander verknüpft werden, und den Nutzern der Seite ermöglichet, sich spontan einen eigenen Leseweg zu bahnen. Christian Schreger dazu:

„Das WeltABC ist jedoch kein Lexikon, das sich um eine vertiefende Erklärung der Welt bemüht. Ganz im Gegenteil geht es einen radikal anderen Weg: Die Basis der Inhalte ist die erlebte Wirklichkeit von Kindern unterschiedlichster Muttersprachen und Kulturen, die gerade im Prozess des Lernens der deutschen Sprache stehen.“

„Dabei wird die Unschärfe scheinbar klarer, rein sprachlicher Begriffe thematisiert und durch die bildliche Darstellung illustriert. Begriffe werden mit anderen assoziiert, diese führen als Links zu neuen Bilder- und Wortassoziationen. “ (von der Jury)

Der Inhalt der Seite wird durch die Nutzer, bzw Kinder mit Hilfe Kamera und Mikrophon erstellt und erweitert, um wie es heisst, den Blick der Kinder auf ihre Welt hör- und sichtbar zu machen, wobei wie betont wird (typisch für Schule) neue Beiträge durch ein Administrationsteam überprüft werden.

Bei KulturKontakt findet sich mehr über die Projektziele:

* Visualisierung der Mehrdeutigkeit scheinbar einfacher Dinge
* Beschäftigung mit der Vielfalt der Erscheinungsformen
* Aufbrechen der „stummen Sprache“ regional „gewusster“ Wirklichkeit in Richtung interkultureller Gemeinsamkeit
* Beschäftigung mit bereits bekannten Begriffen in unterschiedlichen Sprachtiefen
* Erweiterung des Sprachhorizonts für alle Beteiligten/Teilnehmer/innen auf unterschiedlichen Ebenen
* Das Abenteuer Sprache(n) auch bildlich erlebbar machen
* Lust am Entdecken fördern
* Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Muttersprachen-Lehrer/innen

Ich finde das eine spannende Sache, nicht nur weil mich die vielfältigen Beziehungen von Bild und Word immer wieder beschäftigen, sondern auch das Projekt einen kreativen Umgang mit neuen Medien voraussetzt und ermöglicht.

Einzig schade ist vielleicht, dass dieses Projekt auch limitiert ist. Erstens wäre es interessant zu sehen, was dabei herauskommt, wenn die Sache nicht schulisch administriert würde. So fehlen z.B. bislang Begriffe wie „Fernsehen.“ Beim Begriff „Spiel“ wurden bislang nur Karten und Brettspiele assoziiert, Computer- und Konsolenspiele fehlen. Der Blick auf die „erlebte Welt der Kinder“ ist eindeutig gefiltert durch die Linse der Begriffe und Konzepte, die im Rahmen der Schule als für angemessen empfunden werden. Aber natürlich würde das in Grenz- und Konfliktbereiche und Grauzonen führen (was passiert, wenn Kinder Begriffe wie „Blödmann“ „Sex“ „Barbie“ oder „Scheidung“ eingeben?), in denen es für LehrerInnen und Schule schwer ist, frei zu manövrieren.

Schade auch, dass das Projekt wohl zwar nicht prinzipiell, aber dennoch wahrscheinlich auf die Teilnehmer der Schulklasse beschränkt ist, die sich hier (durchaus sinnvoll) durch Gespräch und Produktion austauschen. Interessant wäre, wie dieses Projekt auch für andere Schulkassen einsetzbar und nutzbar wäre, indem entweder eigene Klassenlexia angelegt werden oder aber das Projekt so definiert wird, dass dezidiert und umfassend auch die Teilnahme von anderen Schulen möglich wäre. Wirklich spannend wäre die Idee aufzugreifen, und breit nutzbar zu machen indem ein Flickr-mashup Programm erstellt und eine dafür gewidmete Website geschaffen wird, die es ermöglicht, via Flickr global Bilder hochzuladen und begrifflich und bildlich zu vernetzen. (siehe zB auch Tagnautica oder Spell with Flickr)

Diese meine Kritik soll das wohlverdiente Lob für das Projekt nicht schmälern. Vielleicht stört mich nur, dass dieses wie viele andere interessante und kreative schulische Medienprojekte immer nur Einzelinitiativen bleiben, und nicht genug Geld und Zeit dafür aufgewandt wird, auch Projektprozesse zu dokumentieren, und es zu ermöglichen, Ideen auch an anderen Schulen aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Diese Vermittlungs- und Koordinationsarbeit wäre auch nicht die Aufgabe der einzelnen Schulen oder der engagierten LehrerInnen, sondern die der Fördergeber.

zuerst gepostet 5.Jan 2008

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Oktober 3, 2009 von in Internet, Medienbildung & Medienerziehung, Medienbildung in der Volksschule, Schulprojekt.
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